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Erster schwuler Bundeswehrsoldat rehabilitiert

Bild: Bundeswehr / Tom Twardy

Als einer der ersten früheren Soldaten wurde der ehemalige Luftwaffenoffizier Winfried Stecher für erlittenes Unrecht wegen seiner Homosexualität rehabilitiert – den Bescheid überreichte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) persönlich.

Stecher war Ende der Neunzigerjahre als Ausbilder abgelöst und in den Innendienst zwangsversetzt worden, nur weil er mit seinem damaligen Lebensgefährten eine gemeinsame Wohnung bezogen hatte. Dagegen klagte er bis vor das Bundesverfassungsgericht. Sein Engagement und Widerstand führten im Jahr 2000 mit dazu, dass die jahrzehntelange systematische Diskriminierung offen homosexueller Soldat*innen in Deutschland beendet wurde.

Er habe seinen Frieden mit den Streitkräften gemacht, erklärte Stecher im Interview mit dem Verteidigungsministerium. "Mit meiner Rückversetzung in die Truppe, spätestens aber mit meinem regulären Abschied aus der Bundeswehr im Herbst 2001 war die Geschichte für mich abgehakt." Der Truppe habe er auch nie etwas vorzuwerfen gehabt. "Die politische Aufarbeitung war das Problem. Deshalb hat die Rehabilitierungsbescheinigung etwas Besonderes in mir ausgelöst. Die offizielle Entschuldigung der Ministerin, der Willen, das Unrecht zu beenden: Das bedeutet mir sehr viel." Die Übergabe des Bescheids fand am 8. September im Bendlerblock statt.

Das Rehablitierungsgesetz, kurz SoldRehaHomG (PDF), war im Mai vom Bundestag und im Juni vom Bundesrat beschlossen worden (queer.de berichtete). Es sieht die Aufhebung von Urteilen der Truppengerichte wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen vor. Für jedes aufgehobene Urteil werden 3.000 Euro Entschädigung gezahlt. Diese Summe erhalten auch Soldat*innen, die bis zum Jahr 2000 wegen ihrer "sexuellen Identität" entlassen, nicht mehr befördert oder nicht mehr mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut wurden. Der Begriff "sexuelle Identität" umfasse dabei nicht nur "homosexuelle Männer und Frauen", sondern auch "bisexuelle, transsexuelle oder diverse Menschen", wird in einem Kommentar zum Gesetz erklärt. Das Gesetz gilt sowohl für die 1955 gegründete Bundeswehr als auch für die Nationale Volksarmee der DDR, in der queere Soldat*innen von 1956 bis zu ihrer Auflösung 1990 diskriminiert worden sind.

Das Verteidigungsministerium schätzt, dass bis zu 1.000 frühere Soldat*innen anspruchsberechtigt sein könnten. Um ihre Ansprüche schnell abzuarbeiten, richtete es das Onlineportal Rehahom ein. Dort können Nutzer*innen nach Registrierung ihren Antrag digital stellen und die erforderlichen Dokumente hochladen. (cw)



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#1 WunderbarAnonym
  • 11.09.2021, 19:50h
  • Die Verfolgung fand ja immer noch statt, als der Schwulenparagraph längst getilgt war und in seiner letzten Form den Offizier ohnehin strafrechtlich gar nicht getroffen hätte.
    Nur fand die Schwulenverfolgung in gewissen Institutionen kein Ende und weiter statt. Mit bizarrer Heuchelei: die sexuelle Orientierung des Offiziers wird ja bekannt gewesen sein, er wurde aber strafversetzt, wo er ein unwürdiges Versteckspiel beendete und mit dem Lebensgefährten zusammenzog. Ansonsten war man wohl mit ihm ganz zufrieden, sonst hätte er es nicht so weit gebracht bzw. hätte man ihn ja längst vorher rauswerfen können, wenn man das denn gewollt hätte.
    Auch in der Kirche kann lesbisch immer noch Kündigungsgrund sein. Den § 173 gibt es auch noch (entgegen der Ethikrat-Empfehlung).
    Daher ist die vollständige Rehabilitierung ein sehr wichtiger Meilenstein für die Bürgerrechte gegen Übergriffe überkommener Moral!
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#2 NaKlarAnonym
  • 13.09.2021, 18:26h
  • Ausgerechnet die AKK
    Na klar, ist ja Wahlkampf. Nix als Propaganda, echt zum kotzen
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