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Queere Republik Xhain

- 13. September 2021,
Auf einem Wahlplakat zeigen die Grünen Friedrichshain-Kreuzberg ihre Vision für den alternativen Berliner Bezirk – und ernten Spott und Hass aus dem Rest des Landes.
"Wir wollen nicht nur darüber reden, was wir in den nächsten fünf Jahren für Xhain erreichen wollen, sondern auch zeigen, wie es hier aussehen kann", erklärte die grüne Bezirksbürgermeisterkandidatin Clara Herrmann in einer Pressemitteilung zu dem bunten Motiv der Kreuzberger Illustratorin Laura Breiling, das seit dem Wochenende in mehreren U-Bahnhöfen hängt. "Dabei ist uns besonders wichtig zu zeigen, wie Xhain jetzt schon ist und wie es auch bleiben soll: Hier haben alle Menschen Platz, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung und Identität."
In Berlin finden am 26. September 2021 parallel zur Bundestagswahl auch die Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen statt.
Das kitschig-naive Motiv mit Prideflagge, knutschenden Lesben, vielen nicht-weißen Menschen, Rollifahrerin und Clit-Graffiti sorgte vor allem außerhalb der Hauptstadt für Schnappatmung. "Horror pur", "Sodom und Gomorra" und "This is Faggotsburg" lauteten noch vergleichsweise harmlose Kommentare zu einem Tweet der Xhainer Grünen.
/ GrueneXhainUnsere Vision für #Xhain seht ihr ab sofort in den U-Bahnhöfen Mehringdamm, Samariterstraße und Strausberger Platz und ab dem 14.09. auch in Frankfurter Tor, Halleschen Tor und Kottbusser Tor.#Hiergehtsweiter
Grüne Xhain (@GrueneXhain) September 10, 2021
Weitere Infos: https://t.co/jL0Qe1GiTz
Illustration: @LauraBreiling pic.twitter.com/YOImvNCeYd
"Nur einer darf nicht mitspielen: der Normalbürger", empörte sich auch prompt das neurechte Onlinemagazin Tichys Einblick. Das Wahlplakat zeige "in aller Deutlichkeit und mit erstaunlichem Detailreichtum, dass die 'bürgerliche Mitte' in der Grünen Zukunfts-Utopie keinen Platz mehr hat – allen voran das ewig gestrige Modell von der heterosexuellen Familie".
FAZ-Korrespondent Philip Plickert findet das Kampagnenposter gruselig. "Die grüne Vision für unsere Zukunft? Creepy!", schrieb er auf Twitter. "Sie sollten das Plakat deutschlandweit aufhängen, dann fallen sie wieder unter 10 Prozent."
/ PhilipPlickertDie grüne Vision für unsere Zukunft? Creepy!
Philip Plickert (@PhilipPlickert) September 11, 2021
Sie sollten das Plakat deutschlandweit aufhängen, dann fallen sie wieder unter 10 Prozent. pic.twitter.com/ilLswjMTBQ
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Friedrichshain-Kreuzberg ist Berlins alternativster Bezirk. Der Bundestagswahlkreis ist deutschlandweit der einzige, in dem die Grünen mit Hans-Christian Ströbele bzw. Canan Bayram ein Direktmandat gewinnen konnten. Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus 2016 holten die Grünen hier vier von fünf Direktmandaten. Auch in der Bezirksverordnetenversammlung ist die Ökopartei mit 32,7 Prozent stärkste Kraft. Mit der lesbischen Politikerin Monika Herrmann, die diesmal für das Abgeordnetenhaus kandidiert, stellt sie bislang die Bezirksbürgermeisterin. Die CDU holte vor fünf Jahren in Friedrichshain-Kreuzberg lediglich 7,7 Prozent.
2016 hatten die Xhainer Grünen im Wahlkampf u.a. den Slogan "Herzlich willkommen im grün-links-versifften Sektor" plakatiert. (mize)

















