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Die queere Geschichte des Berliner Bärenzwingers

Klappen-Foto aus dem Archiv der Homosexuellen Interessengemeinschaft Berlin (Bild: Juan Saez)
  • 29. Dezember 2021, noch kein Kommentar

Wo einst die Berliner Wappentiere lebten, wurde auch fleißig gecruist und trafen sich Homo-Aktivist*innen der DDR – daran erinnert jetzt eine neue Ausstellung.

Die Gruppenausstellung "Into the drift and sway" bezieht sich auf den Bärenzwinger als Ort eines ständigen Wandels. Am südlichen Eingang zum Köllnischen Park in Berlin wurde der Bärenzwinger auf einem Gelände errichtet, auf dem sich früher ein Straßenreinigungsdepot mit öffentlicher Bedürfnisanstalt befand, betrieben von der Berliner Stadtreinigung von 1901 bis 1938. Aus den Ziegeln eben dieses Gebäudes wurde der Bärenzwinger gebaut, der seit dem Einschläfern der Bärin Schnute im Jahr 2015 leer steht.

Die Nähe zum Park, das nahe gelegene Spreeufer, eine ehemalige öffentliche Volksbadeanstalt und Spuren homosexueller Lokale auf der Wallstraße und Inselstraße in der Nachbarschaft des Bärenzwingers verweisen auf eine mögliche Vergangenheit des Geländes als Cruisingareal. Öffentliche Toiletten oder Bedürfnisanstalten, wie jene im Köllnischen Park, sind in Berlin bereits um 1900 als anonyme Treffpunkte für schwule Männer im 1904 von Magnus Hirschfeld, Arzt und Sexualwissenschaftler, veröffentlichten Buch "Berlins drittes Geschlecht" dokumentiert.


Emma Wolf-Haugh: Clothes for Queer Cruisers (Bild: Juan Saez)

Die Recherche der möglichen queeren Geschichte der Umgebung des Bärenzwingers brachte Spuren zutage, die die ortsspezifischen künstlerischen Interventionen wieder aufgreifen. Ab 1920 versammelte der Verleger Adolf Brand regelmäßig die "Gemeinschaft der Eigenen", einen homosexuellen Männerclub, im benachbarten Marinehaus, dem ehemaligen Sitz der kaiserlichen Marine. Zu DDR-Zeiten soll die Klappe am Märkischen Ufer in unmittelbarer Nähe des Bärenzwingers Treffpunkt für schwule Männer gewesen sein. Eines der Gründungsmitglieder der Homosexuellen Interessengemeinschaft Berlin (HIB), welche sich in der DDR für die Rechte von Homosexuellen einsetzte, arbeitete in den 1970er Jahren als Tierpfleger im Bärenzwinger. Einige Treffen der Gründungsmitglieder fanden im Dienstzimmer des Bärenzwingers statt.

Ausgehend von diesen historischen Konstellationen spürt die Ausstellung queeren Geschichten nach und versammelt sechs zeitgenössische Künstler*innen, die sich mit Männlichkeiten und Fragen von Cruising und Geschlecht beschäftigen. Sie verhandeln und fordern dabei Platz für Begehren im privaten und öffentlichen Raum. Zu sehen sind Installationen, Zeichnungen, Skulpturen und textile Arbeiten von Christa Joo Hyun D'Angelo, Constantin Hartenstein, Lindsay Lawson, Lotte Meret, Lucas Odahara und Emma Wolf-Haugh, die mit der spezifischen Geschichte des Köllnischen Parks und der gegenwärtigen Architektur des Bärenzwingers interagieren.

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Februar 2022 im Bärenzwinger (Im Köllnischen Park, 10179 Berlin) zu sehen. Der Eintritt ist frei. Mehr Infos gibt es hier. (cw/pm)


Installation von Christa Joo Hyun D'Angelo (Bild: Juan Saez)



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