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Verliebte Schwule statt Mutter Jesu

Bild: Kunst hält Wache e.V.

Rund um den bayerischen Ammersee wurden mehrere Wegschreine aufgestellt, in denen keine Marienfigur zu entdecken ist, sondern ein küssendes Paar unterschiedlicher Herkunft oder desselben Geschlechts.

Das Projekt "Grenzen küssen" von Felina Beckenbauer und Hannah Doepke entstand im Rahmen des "Happenings der Bildenden Kunst" des Vereins Kunst hält Wache aus Issing. Die beiden Kunststudentinnen wuchsen selbst am Ammersee auf und wollten sich mit den christlichen Einflüssen ihrer Heimat auseinandersetzen.

Ihre Marterl-Installationen seien nicht als "blasphemische Aussagen" gedacht, stellten die Künstlerinnen gegenüber der Regionalzeitung "Merkur" klar. Vielmehr liege der Schwerpunkt auf ihrem Respekt für Werte wie Nächstenliebe, Fürsorge und Besinnung und "ein sich Sträuben gegen Spießigkeit, Zugeknöpftheit und Vorurteile gegenüber dem Fremden". Mit ihren Wegschreinen wollen Beckenbauer und Doepke "ermutigende Narrative" erzeugen, die den Betrachter*innen einen "spielerischen Zugang" zu den heute eher schwer mit konkretem Inhalt zu füllenden Begriffen Fürsorge und Nächstenliebe ermöglichen – "ohne Bilder von Schuld, Reue und Sühne".

Für mache Lokalpolitiker*innen war die Kunstaktion zu provokant. So lehnte es der Schondorfer Gemeinderat ab, einen der queeren Wegschreine an einem öffentlichen Grundstück am See aufzustellen – die beiden Studentinnen konnten jedoch auf ein Privatgrundstück gegenüber der VR-Bank ausweichen. Drei weitere queere Marterl stehen im Windacher Schlosspark, im Uttiner Summerpark sowie vor dem Mühlbach-Atelier in Dießen. (cw)



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#1 thorium222Profil
  • 07.01.2022, 11:08hMr
  • Da kann man mal wieder sehen, wie krass diskriminiert LGBT in unserer Gesellschaft in weiten Teilen noch sind, wenn dem Schondorfer Gemeinderat die simple Abbildung unserer normalen Existenz schon zu "provokant" ist.
    Merken die eigentlich, was die da sagen?
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#2 LegatProfil
  • 07.01.2022, 12:56hFrankfurt am Main
  • "Ihre Marterl-Installationen seien nicht als "blasphemische Aussagen" gedacht"

    Geht ja auch gar nicht. Mensch kann nichts beleidigen, was nicht existiert.
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#3 ClaudiaAnonym
#4 Taemin
  • 07.01.2022, 14:43h
  • Antwort auf #2 von Legat
  • Ist aber schönes Beispiel, dass in Deutschland immer gleich alles in Zusammenhang mit Religion stehen soll. Da stellen Künstlerinnen Steinbilder auf ohne jeden Bezug zu Religion und sofort wird von Religion geredet, sogar in voreiligem Gehorsam von den Künstlerinnen selbst. Ich verstehe das nicht. Wer schreibt vor, dass in Deutschland an Spazierwegen nur Kreuze oder Bilder von Heiligen stehen dürfen?
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#5 RuntAnonym
  • 07.01.2022, 18:10h
  • Antwort auf #4 von Taemin
  • "Da stellen Künstlerinnen Steinbilder auf ohne jeden Bezug zu Religion"

    Doch, einen Bezug zur Religion, bzw. zu religiösen Traditionen in Bayern gibt es da schon. Der Begriff "Wegschrein" deutet das schon an. Unter Schrein versteht man ein Behältnis für heilige Gegenstände und diese Darstellungsform mit heiligen Figuren ist in Bayern eben sehr häufig anzutreffen. Deshalb auch die Überschrift: "statt Mutter Jesu." .Der Bezug ist also gewollt. nur dass die Künstlerin ihn nicht negativ oder abwertend gegenüber der religiösen Tradition verstanden wissen will, sondern hier etwas ausstellt, dass ihr "heilig" (= unantastbar, würdig, kostbar , nicht in Frage zu stellen) ist. So würde ich die künstlerische Botschaft verstehen.
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#6 Taemin
  • 08.01.2022, 11:07h
  • Antwort auf #5 von Runt
  • Danke für die Aufklärung. Ich verstehe die Aufregung trotzdem nicht. Für mich ist ein Schrein sogar etwas noch viel wichtigeres als ein Bild am Wegrand. Schreine dienen Gedenken und Verehrung der Vorfahren. Zwar habe ich deutsch das Wort Schrein gelernt, aber in Europa benutzt man wohl eher das Wort Tempel, auch weil ein kleiner Schrein mit seiner Größe einer Kapelle oder Kirche entsprechen kann und ein großer Ausmaße haben kann wie ein Palast oder ein Kloster. Aber ich weiß doch, dass Wort und Sinn nicht das selbe sind. Darf man doch von den Katholiken erwarten, dass sie unterscheiden können zwischen einem Kunstwerk, das die Gedanken des Künstlers widergibt und von ihm als Schrein bezeichnet wird, und einem Kreuz oder Heiligenbild. Ich war schon in Bayern. Auf jedem Berg ein Kreuz, als wäre Jesus auf jedem Gipfel gestorben, an jeder Straßenecke eine Heiligenstatue. Das Land ist voll davon. Da kann mal wohl erwarten, dass auch Bilder toleriert werden, die Menschen darstellen und ihre Liebe. Tatsächlich geht es doch nur darum, dass da zwei Männer stehen. Das stört diese Typen, nicht der Name Schrein.
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#7 RuntAnonym
  • 09.01.2022, 00:00h
  • Antwort auf #6 von Taemin
  • Die Kunstwerke spielen nicht nur im Namen, sondern in der Form auf religiöse Traditionen an. Ich kenne einige Schwule, die katholisch sozialisiert sind, die sich an diesen Bildern stoßen würden - tatsächlich nicht, weil sie zwei sich küssende Männer /Jungs abbilden, sondern weil ihnen ein Kuss zwischen profanen Menschen für diesen "heiligen Rahmen" zu "profan" erscheint und die beiden anonymen Jungs in ihrer Sicht damit in den Rang von Heiligen erhoben würden. (Aus evangelischer oder islamischer Sicht würden Menschendarstellungen in so einem Rahmen schon in die Richtung Götzenbild gehen) Aus ihrem kulturellen Hintergrund würden sie also die Bilder anders verstehen, bzw. missverstehen.

    Der Katholizismus ist keine Staastreligion , auch nicht in Bayern. Dass es also dennoch grundsätzlich natürlich genauso legitim ist, solche Bilder aufzustellen, wie Wegschreine mit Marien oder Jesus am Kreuz (deren Symbolik ja auch nicht jeder nachvollziehen kann)) - darüber gibt es zwischen uns beiden keinen Dissens. Wir haben allerdings auch beide keinen Bezug zur bayerisch-katholischen Kultur. Für uns ist also eine andere, weltliche oder "erotisch.-soirituelle" Lesart eines parodierten Wegschreins mühelos möglich.
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#8 Taemin
  • 09.01.2022, 11:01h
  • Antwort auf #7 von Runt
  • Ja, du hast bestimmt recht. Christentum ist für mich fremd und ich hatte schon zu Hause keine gute Meinung davon. Aber in Deutschland ist diese katholische Bilderei auch oft nicht verständlich. Ich war ein Mal aus Neugier in der größten Kirche der Kreisstadt hier. Gotisch, protestantisch, vollkommen leer. Ich meine nicht Menschen, waren schon welche da. Aber nichts als nackter Stein. Keine Bilder, sogar kein Kreuz. Nur ein Steintisch als Altar, die Orgel und die Stühle für das Publikum. Das hatte ich nicht erwartet. Die sind hier Anhänger von diesem Calvin. Die können mit bayerischen Heiligen bestimmt auch nichts anfangen. Aber ich habe gehört, sie lassen Schwule und Lesben heiraten in der Kirche.
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#9 ZürichAnonym
  • 11.01.2022, 07:47h
  • das finde ich so hübsch an den deutschinnen und deutschen, dass alles immer und sofort mit wagner-trara problematisiert wird - ich finde die kunstperformance intelligent, witzig und unaufgeregt
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