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Queere Tanz-Collage eröffnete die Hamburger Ballett-Tage
Bild: Kiran West- 17. Juni 2022, kein Kommentar
Mit der Uraufführung von "Die Unsichtbaren" über die Schicksale von Tänzer*innen im Nationalsozialismus hat John Neumeier am Donnerstagabend im Ernst Deutsch Theater die 47. Hamburger Ballett-Tage eröffnet.
In der Tanz-Collage, präsentiert vom Ensemble des Bundesjugendballetts, würdigt Neumeier Pioniere des modernen Tanzes im Deutschland der 1920er Jahre, die nach der Machtübernahme durch die Faschisten verfolgt, ausgegrenzt und in die Emigration gezwungen wurden.
Die Collage findet für die ausgewählten Biografien sehr klare, teils beklemmende Bilder. Das um zwei Gäste erweiterte, zehnköpfige Ensemble tanzt bemerkenswert und findet in Pas de Deux und Gruppenszenen zu starkem Ausdruck. In den Soli glänzt Ida-Sofia Stempelmann als sprungstark sich verausgabende Mary-Wigman-Schülerin Gret Palucca. Außerdem beeindruckt Giuseppe Conte, der den wegen seiner Homosexualität inhaftierten und schließlich emigrierten Tänzer Alexander von Swaine verkörpert.

Bild: Kiran West
John Neumeier ergänzt den Tanz um zentrale, dokumentarisch angelegte Spielszenen. Der Abend der getanzten Erinnerung entreißt die Menschen und ihre Kunst dem Vergessen. Und verweist auf die Spuren ihrer Kunst in der popkulturellen Gegenwart, wenn das Ensemble zu Freddy Mercurys "Bohemian Rhapsody" zu ausladenden, befreiten Bewegungen findet.
Weitere Vorstellungen von "Die Unsichtbaren" gibt es bis zum 18. Juli 2022 am Ernst Deutsch Theater (Friedrich-Schütter-Platz 1, 22087 Hamburg). Als Rahmenprogramm würdigt eine Begleitausstellung die Opfer und Verfolgten aus der Welt des Tanzes. (cw/dpa)










