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Regenbogenfahne auf der Hardthöhe und im Bendlerblock
Bild: Bundeswehr / Tom Twardy- 03. Juli 2022,
Zum allerersten Mal hisst in diesem Jahr auch das Bundesministerium der Verteidigung in Bonn und Berlin die Regenbogenflagge – Ministerin Christine Lambrecht legte in der Hauptstadt selbst Hand an.
Vier Tage lang, vom 1. bis 4. Juli, schmückt das Symbol der LGBTI-Bewegung die beiden Dienststellen auf der Hardthöhe und im Bendlerblock. Das Datum wurde bewusst gewählt: Am 3. Juli vor 22 Jahren wurde der Ministererlass aufgehoben, der homosexuelle Soldaten als "Gefahr für den Zusammenhalt der Truppe" aus der Bundeswehr verbannte. Nach dem SoldRehaHomG wurden Betroffene im vergangenen Jahr rehabilitiert und entschädigt (queer.de berichtete).
"Wir stehen für eine offene und vielfältige Bundeswehr – für Akzeptanz und Toleranz", erklärte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht zum erstmaligen Setzen der Regenbogenflagge. "Für uns ist klar: Es spielt keine Rolle, wen Du liebst, was Du glaubst oder welches Geschlecht oder welche Hautfarbe Du hast – Kameradschaft macht keinen Unterschied." Das Rehabilitierungsgesetz sei "nur ein Baustein", erklärte die SPD-Politikerin. "Wir überprüfen Vorschriften und Sichtweisen permanent und passen sie an. Denn wir wissen: Es ist noch Einiges zu tun!"
Erst im Mai hatte die Bundeswehr für Negativ-Schlagzeilen gesorgt, weil sie die trans Soldatin Anastasia Biefang wegen ihres privaten Dating-Profils maßregelte (queer.de berichtete). Das führte zu einer politischen Debatte, in der Sven Lehmann, der Queerbeauftragte der Bundesregierung, die Maßregelung scharf kritisierte (queer.de berichtete). Queere Beschäftigte der Bundeswehr protestierten am deutschen Diversity-Tag mit einer Online-Aktion gegen die Einmischung ihres Arbeitgebers in das Privatleben (queer.de berichtete).
In einem Brief an Lambrecht zeigte sich QueerBW, die Interessenvertretung queerer Angehöriger der Bundeswehr, irritiert darüber, dass die Flaggenhissung vom Ministerium offenbar im Alleingang geplant wurde. In dem Schreiben vom 28. Juni heißt es: "Mit dem Blick auf die Geschichte der Bundeswehr und der jahrzehntelangen Diskriminierung sowie dem langen Weg einer beginnenden Aufarbeitung, hat es uns als Interessenvertretung queerer Angehöriger der Bundeswehr überrascht, an diesem Vorgang weder beteiligt, noch informiert worden zu sein."
Erst am vergangenen Wochenende hatten Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) die Regenbogenfahne vor ihren Dienstsitzen gehisst (queer.de berichtete). Zum Berliner CSD soll nach einem Vorschlag von Vizepräsident Wolfgang Kubikci (FDP) auch auf dem Deutschen Bundestag erstmals die Prideflagge wehen (queer.de berichtete). (mize)


















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