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Pin-up-Boys auf Aktiencharts

- 20. Juli 2022, kein Kommentar
In seiner Serie "Stock Boyz" zeigt der in New York lebende russisch-amerikanische Künstler und Autor Slava Mogutin männliche Pin-ups anonymer Figuren in verschiedenen Stadien der Entkleidung.
Die ursprünglichen Bilder erschienen in den frühen 2000er Jahren auf mehreren obskuren, meist osteuropäischen und heute nicht mehr existierenden Fetisch-Websites. Einige der Models scheinen "rough trade" und/oder "gay for pay" zu sein, während andere als Stricher und Exhibitionisten durch Zufall und nicht als Wahl erscheinen.
Über "Stock Boyz" sagt Slava Mogutin, der als erster Russe politisches Asyl in den USA wegen homophober Verfolgung erhielt:
Ich begann diese Serie kurz vor dem verheerenden Marktcrash im September 2008 mit den Aktiencharts der New York Times, des Wall Street Journal und der Financial Times als abstraktem Hintergrund. Anfangs dachte ich an diese Serie als Kommentar zur Kommodifizierung der Jugend in unserer Konsumgesellschaft. Nach dem Marktcrash erhielt es jedoch eine ganz neue, unheimlichere Bedeutung.
Als sich die Wirtschaft immer weiter verschlechterte, änderten sich auch die Zahlen und Grafiken dramatisch. Ich fuhr fort, die Charts zu sammeln und neue Pin-ups zu machen, ihnen Titel zu geben, die aus aktuellen Schlagzeilen bestanden: Small Capitalization, Most Active, Slow Growth, Total Volume, Behind and Ahead, Gainers and Losers, New Highs and Lows, etc...
Während die starren Schlagzeilen, ihrer eigentlichen Bedeutung beraubt, frivol und suggestiv klingen, lösen sich die exponierten zerbrechlichen Körper der Jungen, die aus dem sexuellen Kontext gerissen wurden, langsam in einem Ozean grausamer Ziffern auf. Stück für Stück werden sie von kapitalistischer Gier und übermäßiger Nachsicht verschluckt.
Der Berliner Buchladen Eisenherz zeigt Mogutins "Stock Boyz"-Serie als Ausstellung noch bis zum 31. Juli 2022. Bei Outer Space Press ist zudem ein limitiertes Box-Set mit 50 einzeln signierten Risographendrucken erhältlich. (cw/pm)










