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Geschichten von Verfolgung und mutigem Aufbruch

Fotografie aus der Ausstellung: Trans Menschen 1921 vor dem Institut für Sexualwissenschaft (Bild: bpk / Kunstbibliothek, SMB, Phototek Willy Römer)
  • 09. Oktober 2022, kein Kommentar

Die neue Ausstellung "To be seen" des NS-Dokumentationszentrums München zeichnet die Biografien von queeren Menschen in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts berührend und kämpferisch nach.

Mit historischen Zeugnissen und künstlerischen Positionen von damals bis in die Gegenwart dokumentiert die Ausstellung queere Lebensentwürfe und Netzwerke, Freiräume und Verfolgung. Sie möchte bis heute andauernde Tendenzen des Verdrängens überwinden, auf gegenwärtige Diskussionen und Veränderungen antworten und zu einer diversen, vielstimmigen Erinnerung beitragen.

Die Ausstellung blickt auf vielfältige Geschlechter, Körper und Identitäten. Sie zeigt, wie queeres Leben in den 1920er Jahren sichtbarer wurde und in Teilen der Gesellschaft ein offenerer Umgang mit Rollenbildern und Begehren entstand. Homosexuelle, trans und nichtbinäre Personen erzielten in ihrem Kampf für gleiche Rechte und gesellschaftliche Akzeptanz erste Erfolge: Sie organisierten sich, kämpften um wissenschaftliche und rechtliche Anerkennung ihrer Geschlechtsidentität und eroberten eigene Räume.


Lili Elbe 1926 in Paris (Foto: "Man into Woman, An Authentic Record of a Change of Sex", London: Jarrolds, 1933)

Neben Anerkennung und Sichtbarkeit in Kunst und Kultur, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft nahmen aber auch die Widerstände gegen diese emanzipatorischen Bewegungen zu. Ab 1933 wurden insbesondere homosexuelle Männer verfolgt und in Konzentrationslager verschleppt, die Subkultur von LGBTI weitgehend zerstört. Nach 1945 wurden queere Geschichten und Schicksale kaum archiviert oder erinnert. Nach langen Bemühungen der Communities darum, ihre queere Geschichte aufzuarbeiten, haben schließlich auch öffentliche Museen und Archive damit begonnen, ihre Bestände zu "queeren" und die Geschichte von LGBTI auszustellen. Im Deutschen Bundestag wird erstmals 2023 am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus an die Menschen erinnert, die aufgrund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität verfolgt und ermordet wurden (queer.de berichtete).

Die Geschichte von LGBTI in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist jedoch viel mehr als eine Geschichte von Verfolgung und Ausgrenzung – mutige, selbstbestimmte Lebensentwürfen, Zusammenhalt, Innovation und Fortschritt sind Teil dieser Geschichte. Dieser Vielfalt spürt "To be seen" in fünf Ausstellungskapiteln nach. Ein Prolog führt außerdem in das Gesamtkonzept ein; der Epilog verweist auf queere Errungenschaften bis in die Gegenwart.

Die Ausstellung ist noch bis zum 21. Mai 2023 im NS-Dokumentationszentrum München zu sehen. Eine ausführliche Besprechung folgt. Im Dezember 2022 erscheint im Hirmer Verlag ein Begleitband, der Texte und Kunstwerke aus der Ausstellung sowie Essays wichtiger Stimmen zur queeren Geschichte und Gegenwart aus wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Perspektive versammelt. (cw/pm)


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