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Queere Kompositionen ikonischer Gemälde

Still aus Mikołaj Sobczaks Film "Up in the Attic"
  • 13. Oktober 2022, kein Kommentar

Der polnische Künstler Mikołaj Sobczak schafft zeitgenössische Historienbilder mit Darstellungen herausragender Protagonist*innen des LGBTI-Aktivismus – ab Sonntag sind seine Werke in der Kunsthalle Münster zu sehen.

In seinen Malereien, Filmen und Performances wie auch in seinen Zeichnungen und Keramiken beschäftigt sich Sobczak mit der Darstellung geschichtlicher Ereignisse. Drei Jahre nach seinem Abschluss an der Kunstakademie Münster zeigt die Kunsthalle Münster mit "Leibeigene" die erste institutionelle Einzelausstellung des Künstlers außerhalb Polens und präsentiert die unterschiedlichen Facetten seines künstlerischen Schaffens.


Still aus Sobczaks Film "Upior"

In der Kunsthalle werden mehrere Werkgruppen des Künstlers, die in den vergangenen Jahren entstanden sind, zu sehen sein. Neben der Serie der "Metamorphosen" (2021) – einer Reihe von Cut Outs, die frei im Raum stehen – wird sein Film "Upior" (2022) gezeigt, umgeben von mehreren Malereien, die Bezug auf die polnisch-ukrainische Geschichte sowie die Unterdrückung der Ukraine durch Polen nehmen. Erstmals ist auch Sobczaks neuer Film "Up in the Attic" (2022) sowie sein monumentales Gemälde "Die Vision" (2022) zu sehen, das eigens für die Ausstellung entstanden ist. Ausgangspunkt des Werks ist die sozioökonomische Lage des frühen 16. Jahrhunderts, in der sich in einer langen Reihe europäischer Aufstände und Widerstandsaktionen neue Modelle für ein Zusammenleben herausbildeten.

In seinen Werken wirft Sobczak Fragen nach einer neuen kollektiven Identitäts- und Erinnerungskultur auf. Im Rückgriff auf historische Ereignisse, aber auch fiktive Narrative wie Märchen, Sagen und Mythen erweitert er die Erzählmuster tradierter, kanonisierter und instrumentalisierter Geschichte um Momente der Emanzipation. Als Künstler sieht er die dringende Notwendigkeit, die Historiografie durch eine permanente Reformulierung zu befragen. Sobczak schafft zeitgenössische Historienbilder mit Darstellungen queerer und emanzipatorischer gegenkultureller Milieus und Widerstandsbewegungen, in fantasievoller Gesellschaft mit fantastischen Charakteren und Kreaturen, die die Vision einer grenzüberschreitenden Utopie repräsentieren.


Mikołaj Sobczaks Gemälde "Goodbye" (Bild: Mikołaj Sobczak)

In Zeiten politischer Radikalisierungen lädt seine Kunst dazu ein, sich mit der Konstruktion von Geschichte auseinanderzusetzen. Er möchte diese nicht den Populist*innen überlassen, die ihre Erzählungen mit einem vermeintlich wahren Blick in die Historie zu legitimieren versuchen, mit dem Ziel bestehende Ängste anzufeuern. In seinen Malereien spielt er mit der Konvention des klassischen Historienbildes, indem er die ureigenen Qualitäten des Genres für seine Werke nutzt. Seine verdichteten Darstellungen basieren oftmals auf Kompositionen ikonischer Gemälde, die Zitate werden collageartig zusammengebracht und in neue Zusammenhänge überführt, nicht zuletzt indem sie etwa mit Motiven einer Counterculture oder Populärkultur konfrontiert werden.

Die Ausstellung "Mikołaj Sobczak: Leibeigene" ist vom 16. Oktober 2022 bis zum 22. Januar 2023 in der Kunsthalle Münster zu sehen. (cw)


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