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Wie Liebe Geschichte schreibt
Bild: Haus der Geschichte Baden-Württemberg / Daniel Stauch- 14. Oktober 2022, kein Kommentar
Gier und Hass hat sich das Haus der Geschichte Baden-Württemberg schon gewidmet. Im dritten Teil der Ausstellungsreihe geht es nun um die Liebe. Auch die Hochzeitsanzüge eines schwulen Paares sind zu sehen.
Was haben ein Pferdeskelett, ein Papierkleid und ein altes T-Shirt mit Liebe zu tun? Bei einer ungewöhnlich inszenierten Ausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg gibt es die Antwort: Die Gegenstände verkörpern die Geschichte von historischen Liebespaaren, unüberwindbaren Heiratshürden und Aktionen der Nächstenliebe.
Unter dem Titel "Liebe. Was uns bewegt" (bis 23. Juli 2023) setzt sich das Haus der Geschichte in Stuttgart mit einem der schönsten Gefühle auseinander. "Die Liebe soll das letzte Wort haben", sagte Direktorin Paula Lutum-Lenger zum finalen Teil einer Ausstellungs-Trilogie über Emotionen. Im ersten Teil hatte sich das Haus mit der Gier auseinandergesetzt, im zweiten Teil mit Hass. 220 Objekte aus den letzten 200 Jahren zeigen nun, wie Liebe die Gesellschaft verändern kann und wie sie selbst von der Gesellschaft beeinflusst wird.
Dazu gehören zwei farbenfrohe Hochzeitsanzüge eines homosexuellen Paares, die das lange Warten auf eine amtliche Trauung und den Kampf um die Ehe für alle abbilden. Daneben ein Hochzeitskleid aus Papier: Eine Frau in Ravensburg fertigte es aus Protest gegen die Bürokratie an, weil die Trauung mit ihrem Partner aus dem westafrikanischen Gambia nicht genehmigt wurde. Alle Objekte stehen entlang eines verschlungenen Weges zwischen Stoffbahnen in verschiedenen Rottönen, die einzelne Themeninseln wie "Heiraten", "Krieg und Pazifismus" oder "Solidarität" voneinander trennen.

Bild: Haus der Geschichte Baden-Württemberg / Daniel Stauch
Der Projektleiter Rainer Schimpf betont die zwiespältigen Seiten der Emotion: "Wir schauen auch auf die Abgründe, Irrungen und Wirrungen der Liebe." Pädophilie und die Führerliebe im Nationalsozialismus sind daher ebenfalls Thema. Der Weg zu den zugehörigen Exponaten führt dabei in kleine Sackgassen, in denen die fließenden, roten Vorhänge hinter durchsichtigen Wänden erstarren.
Wie Sackgassen auch entflohen werden kann, zeigt die Ausstellung mit Geschichten über Mut und Nächstenliebe. Dazu präsentiert sie das T-Shirt des Aktivisten Gerd Leipold aus Rot an der Rot (Landkreis Biberach). Er protestierte mit riskanten Aktionen wie einer Bootsfahrt im Sperrgebiet um Mururoa im Südpazifik gegen Atomwaffenversuche in den 1980er Jahren. Zu sehen ist auch der Gehstock einer 82-jährigen Heilbronnerin, die damit einen Mann in die Flucht schlug, als dieser eine Frau auf der Straße verprügelte.
Am Ende der Ausstellung kommt die jesidische Menschenrechtlerin Nadia Murad zu Wort, die für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt als Waffe im Krieg 2018 den Friedensnobelpreis erhielt. Besucher*innen können sich zum Abschluss ihre Rede anhören. (cw/dpa)
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