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50 Jahre queere Geschichte(n) in Göttingen

Plakat neben der Klappe an der Göttingen Jacobi-Kirche anlässlich des "Schwulen Mai" 1992
  • 24. Oktober 2022, kein Kommentar

Noch bis zum 30. Oktober 2022 ist im Alten Rathaus Göttingen eine Ausstellung zu sehen, die an den Beginn der Schwulen- und Lesbenbewegung in den 1970er Jahren in der Universitätsstadt erinnert.

Seit der Gründung einer ersten Schwulengruppe 1972 entwickelte sich in der Stadt und Region Göttingen eine breite lesbisch-schwule Szene bis hin zur heutigen queeren Bewegung mit unterschiedlichen Strömungen. Im Laufe von 50 Jahren wurden zahlreiche Gruppierungen, Institutionen und Netzwerke gegründet. Seit fünf Jahrzehnten fordern und begleiten unterschiedliche Akteur*innen aus der LGBTI-Community gesellschaftspolitische Veränderungen und präg(t)en die lokale Stadtgeschichte.

Ziel der Ausstellung "In Bewegung kommen: 50 Jahre queere Geschichte(n) in Göttingen" ist es, die Entwicklung, die sich danach vollzogen hat, aufzubereiten und einerseits für die queere Community, andererseits aber auch für die Stadtbevölkerung sichtbar zu machen. Göttingen steht dabei quasi als Blaupause für eine mittlere deutsche Universitätsstadt mit einer stark studentisch geprägten queeren Community, bei der einige Gemeinsamkeiten, aber auch erhebliche Unterschiede zu den Metropolen zu beobachten sind.

"Mehr als zwei Jahre lang beschäftigte sich eine wachsende Projektgruppe mit der Auswertung von Archiven, dem Sammeln von Objekten, Fotos und Dokumenten sowie der chronologischen Erfassung von queeren Gruppen, Ereignissen und Orten", erklärte Klaus Müller, Initiator und Koordinator des Projekts.


Frauenfete im zweiten Frauenzentrum in der Kurzen Geismarstraße 24 Mitte/Ende der 1980er Jahre

Die Ausstellung dokumentiert vielfältige Begegnungsräume, Orte für Selbsthilfe und Empowerment, Beratungs- und Unterstützungsangebote, Demos und Partys im Wandel der Zeit. Sechs Themenräume spiegeln das wandelnde Selbstverständnis und die Kämpfe unterschiedlicher Communitys. Gruppen und Ereignisse aus 50 Jahren werden auf einem Stadtplan verortet und in einen umfangreichen Zeitstrahl eingeordnet. In Kooperation mit dem Institut für Kulturanthropologie / Europäische Ethnologie der Universität Göttingen entstanden zahlreiche Zeitzeug*innen-Interviews, die an thematischen Hörstationen entdeckt werden können. Ausstellungsgäste finden sich außerdem zwischen Discokugel und Lautsprecher wieder: Songs, die queere Tanzflächen füllten und auch immer noch füllen, wechseln sich ab mit Ausschnitten aus politischen Kundgebungen, die in Göttingen gehalten wurden.

Begleitend zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Sammelband im Wallstein Verlag erschienen, der auf 352 Seiten Textbeiträge zahlreicher Autor*innen sowie Fotos und Dokumente aus 50 Jahren miteinander verbindet. Das Buch (ISBN 978-3-8353-5262-9) ist für 20 Euro bei amazon.de (Amazon-Affiliate-Link ), im Buchhandel oder direkt in der Ausstellung erhältlich.

In den nächsten Wochen soll zudem die Internetplattform 50-jahre-queere-geschichten-goettingen.de ausgebaut werden. Hier soll die Ausstellung virtuell gezeigt werden, damit sich auch Personen, welche die Ausstellung nicht besuchen konnten, über die queere Geschichte in Göttingen informieren können. (cw/pm)

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