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Der erste schwule Sympathieträger im Film

- 06. November 2022, kein Kommentar
Am Montagabend um 21.55 Uhr zeigt arte mit "Teufelskreis" aus dem Jahr 1961 einen der wichtigsten queeren Spielfilme der Welt – u.a. wurde zum ersten Mal im englischsprachigen Film das Wort "homosexual" verwendet.
Der britische Krimi mit dem Originaltitel "Victim" handelt von dem Rechtsanwalt Melville Farr (Dirk Bogarde), der mit seiner Ehefrau eine scheinbar glückliche Ehe führt. Als Farr erfährt, dass sich sein schwuler Freund Barrett nach einer Erpressung umgebracht hat, nur um ihn zu schützen, will er die Erpresser dingfest machen. Trotz des Risikos, dass auch seine Homosexualität bekannt wird, womit seine Karriere am Ende wäre, arbeitet er mit der Polizei zusammen, und die Erpresser können verhaftet werden.
"Victim" war der erste seriöse britische Film über Homosexualität. Zur Zeit der Produktion war Dirk Bogarde einer der bekanntesten englischen Schauspieler, und ähnlich wie der Skandal im Film ein Risiko für die Karriere des Anwalts bedeutet, war auch die Filmrolle selbst ein Risiko für Bogardes Filmkarriere.
Im Vereinigten Königreich entwickelte sich "Teufelskreis" nicht nur zu einem kommerziellen Erfolg, sondern wurde zu einem wichtigen Beitrag in der öffentlichen Debatte, ob man männliche Homosexualität legalisieren sollte, auch wenn diese Entkriminalisierung erst 1967 erreicht wurde. Heute wird der Film fast ausnahmslos positiv rezipiert, wobei Farrs Coming-out gegenüber seiner Ehefrau mit den Worten "I wanted him! [...] I wanted him!" zu Recht besonders hervorgehoben wird.
Die besondere Bedeutung bestand filmgeschichtlich vor allem darin, dass hier erstmals ein schwuler Sympathieträger auftritt, in den sich die Zuschauer*innen gut hineinversetzen konnte, und der dabei klar und deutlich sein Begehren in Bezug auf einen anderen Mann ausspricht. (eihp)
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