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Fritz Stein erhält seinen Namen zurück
Bild: Jürgen Wenke- 14. November 2022, kein Kommentar
Als Rosa-Winkel-Häftling Nr. 25182 wurde Fritz Stein 1942 im KZ Auschwitz ermordet – jetzt erinnert in Wismar ein von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig gestifteter Stolperstein an den schwulen Bauingenieur.
Fritz Stein wurde 1904 in Kredenbach, einem Stadtteil von Kreuztal im Siegerland (heute NRW) geboren. Der Mann war in den 1920er Jahren zunächst als Lehrer tätig, studierte dann Kulturbautechnik und Wasserwirtschaft in Siegen mit Abschluss als Kulturbautechniker und trug nach einer gesetzlichen Änderung den Titel "Bauingenieur". Über viele berufliche Stationen (u.a. Basel, Niederrhein, Harz, Brandenburg) gelangte er nach Wismar, seinem letzten freiwilligen Wohnort.
Es erfolgte eine Verurteilung nach §175 RStGB (vermutlich Anfang 1940) zu einer Haftstrafe. Der Haftort ist unbekannt. Infolge der Verurteilung als Homosexueller wurde er im September 1940 aus dem Reichsverband Deutscher Ingenieure, der gleichgeschalteten Berufskammer in der NS-Diktatur, ausgeschlossen, was faktisch ein Berufsverbot bedeutete.
Nach Ende und voller Verbüßung seiner Haftstrafe wurde er nicht entlassen, sondern in das KZ Auschwitz deportiert. Dort wurde er Anfang Januar 1942 registriert, zur Nummer 25182 gemacht und auch fotografiert. In Auschwitz starb er bereits am 31. März 1942 im Alter von 38 Jahren, angebliche Todesursache sei Herzwassersucht gewesen. Hinter dieser verschleiernden Formulierung verbarg sich ein qualvoller Auszehrungsprozess: mangelhafte Ernährung, desolate hygienische Verhältnisse, schwerste Arbeit im Winter, Schikanen, Gewalt, Folter und oftmals von den SS-Wachmannschaften inszenierte, angebliche Fluchtversuche. Ein System der Entmenschlichung. Es ist berechtigt, von Mord zu sprechen.

Bei der Verlegung des Stolpersteins wurde auch ein rosa Winkel aufgespannt (Bild: Jürgen Wenke)
Den Lebensweg von Fritz Stein hat der Bochumer Aktivist Jürgen Wenke recherchiert, der seit 2006 Stolpersteine für homosexuelle Opfer der NS-Gewaltherrschaft initiiert und die Schicksale der Opfer auf seiner Website stolpersteine-homosexuelle.de dokumentiert.
Bei der Verlegung des Stolpersteins am Spiegelberg 54 in Wismar waren auch Verwandte von Fritz Stein anwesend. "Mein Vater, 1940 geboren, hatte bereits in der Kindheit das Gefühl, dass bezüglich des Schicksals von Fritz und den Umständen seiner Ermordung 1942 in Auschwitz viele Fragen offenblieben und vermutlich manches Wissen in der Familie totgeschwiegen wurde", sagte Großnichte Dorothee Stähler in einer Ansprache, "Mit dem Wissen der Wahrheit bezüglich Fritz' Schicksal kommen unsere Gedanken, besonders die meines Vaters, zur Ruhe." Der Stolperstein solle zudem dazu "aufrufen, gerade in heutiger Zeit gegen Hass und Vorurteile in unserer Gesellschaft anzukämpfen".
Mit der Würdigung erhält Fritz Stein nach 80 Jahren seinen Namen zurück, ist nicht länger nur der Rosa-Winkel-Häftling Nr. 25182. Einen ausführlichen Forschungsbericht von Jürgen Wenke zur Würdigung von Stein gibt es als PDF zum Download. (cw/pm)
















