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Zeitreisende Detektivin auf der Suche nach lesbischen Müttern
Bild: annette hollywood- 12. Dezember 2022, kein Kommentar
Die Berliner Künstlerin annette hollywood untersucht in ihrem Langzeitprojekt "anderkawer" anhand gesellschaftlicher und biografischer Ereignisse der letzten hundert Jahre die Situation von nicht heteronormativen Familien in Deutschland.
Die Suche nach Zeugnissen insbesondere lesbischer Mütter, die aufgrund von Diskriminierung und deren Folgen oftmals im Verborgenen gelebt haben und deren Spuren kaum erforscht sind, führt in queere und historische Archive und wird filmisch-performativ inszeniert. Als zeitreisende Privatermittlerin präsentiert uns annette hollywood ihre Fälle beginnend in der ersten Bewegung und Sichtbarwerdung von Homosexuellen im Berlin der 1920er Jahre.
Keine einfache Ermittlung, denn lesbische Mütter blieben bis in die 1980er Jahre weitgehend unsichtbar, da ihnen bei der Ehescheidung der Sorgerechtsentzug drohte. Die Fundstücke erzählen von der allmählichen Diskussion sowie gesetzlichen und gesellschaftliche Akzeptanz und stärkeren Sichtbarkeit queerer Familien. Die Arbeit fokussiert den gesellschaftlichen Diskurs darüber ebenso wie die Vulnerabilität dieser Familien und trägt damit zur Wissensproduktion über die Geschichte queerer Familien in Deutschland bei.
Im hervorragend aufbereiteten "anderkawer"-Onlinearchiv können sich Besucher*innen durch Videos mit historischem Material wie Polizeiakten, Fotos oder Briefe klicken. Noch bis zum 28. Januar 2023 wird das Projekt auch im Rahmen der Ausstellung "Die Decke hat ein Loch" im Kunstverein am Rosa- Luxemburg-Platz (Linienstraße 40, 10119 Berlin) vorgestellt. Am 19. Januar 2023 um 19 Uhr ist annette hollywood zudem mit einer "anderkawer"-Filmpräsentation im Spinnboden Lesbenarchiv (Anklamer Str. 38, 10115 Berlin, 2. Hinterhof, 3. Aufgang, 2. Stock) zu Gast. (cw/pm)










