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Lesbische Liebe im alten Athen

  • 30. Mai 2023, kein Kommentar
Bild: JR Berliner Ensemble

Bei der Ruhrfestspielen feierte das Stück "Phädra, in Flammen" von Nino Haratischwili Ende letzter Woche eine umjubelte Uraufführung – ab Juni ist es im Berliner Ensemble zu sehen.

Etwas ist faul am herrschenden Stillstand in Athen. König Theseus (Oliver Kraushaar) ist alt geworden und hält routiniert an seiner Macht fest; seine Gattin Phädra (Constanze Becker) in den Wechseljahren – brennt vor Sehnsucht, das zu lang getragene Regel-Korsett des Königspalastes abzustreifen und endlich ihre eigenen Bedürfnisse zu leben. Demophon (Maximilian Diehle), der Erstgeborene, steht schon als Thronfolger bereit, er muss nur noch verheiratet werden. Doch die vom Vater auserwählte Braut Persea (Lili Epply) sorgt für Unruhe im Palast, denn Persea und Phädra verlieben sich ineinander. Ein Skandal, der laut dem Hohepriester Menschenopfer fordert. Die Notwendigkeit der Veränderung steht der Gewalt der Tradition gegenüber und die bestehende Ordnung gerät ins Wanken – politisch wie privat.

Mit der Überschreibung des antiken Phädra-Mythos greift Nino Haratischwili parabelhaft Fragen nach Machtpolitik, Emanzipation und politischer Regression auf – nicht nur mit Blick auf die politische Lage in Osteuropa und Georgien. Eine "Frau in Flammen" ist im Georgischen eine Redewendung für die Wechseljahre einer Frau.

Die Regisseurin Nanouk Leopold, eine der bekanntesten niederländischen Filmemacher*innen, deren Filme auf der Berlinale und in Cannes ausgezeichnet wurden, erkundet mit einem hochkarätigen Ensemble rund um Constanze Becker in der Titelrolle die gegenwärtige Verbindung zwischen persönlichem und politischem Verlangen. Die vielfach ausgezeichnete Autorin Nino Haratischwili, geboren 1983 in Tiflis, Georgien, stellt in ihrem Stück auch generelle Fragen: Wo ist mein Platz in der Welt? Wie will ich leben? Bin ich verantwortlich für meine eigene Freiheit? Und was bin ich bereit dafür zu opfern?

"Phädra, in Flammen" ist eine Ko-Produktion von Ruhrfestspielen und Berliner Ensemble. In der Haupstadt sind alle Aufführungen im Juni 2023 bereits ausverkauft. (cw/pm)


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