https://queer.de/b?4193
Ein grauer Regenbogen erinnert an homosexuelle NS-Opfer
Bild: PID / Christian Fürthner- 05. Juni 2023, kein Kommentar
In der österreichischen Hauptstadt Wien wurde am Montag die von Sarah Ortmeyer und Karl Kolbitz entworfene Skulptur "ARCUS (Schatten eines Regenbogens)" eingeweiht.
Das im Resselpark errichtete Denkmal soll das Gedenken an die in der NS-Zeit als Homosexuelle diskriminierten, verfolgten und ermordeten Menschen lebendig halten. Es formt den imaginären Schatten eines Regenbogens auf einem schwaneneiförmigen Grund. Um Trauer auszudrücken, wird das sonst bunte Symbol der LGBTI-Bewegung durch unterschiedlich schattierte Grautöne dargestellt.
Homosexualität unter erwachsenen Personen war in Österreich von 1852 bis 1971 strafbar. Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 erhöhte sich die Anzahl der als Homosexuelle verfolgten Personen dramatisch, die Strafmaße stiegen deutlich. Die nationalsozialistischen Behörden kriminalisierten die Beschuldigten, verbrachten sie ins Gefängnis, in die Nervenklinik, den Operationssaal oder in Konzentrationslager. Allein aus Wien wurden mehr als hundert Männer in Konzentrationslager deportiert, weniger als ein Drittel der Verfolgten überlebte. Nach der Befreiung Österreichs wurde niemand von ihnen als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt.
"Der in Trauerfarben getauchte Regenbogen mahnt uns alle daran, dass Akzeptanz und Gleichberechtigung keine Selbstverständlichkeit sind, sondern von jeder Generation aufs Neue erkämpft und abgesichert werden müssen", erklärte Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr (Neos) zur Einweihung. "Der ergraute Regenbogen ist ein Sinnbild dafür, in welche Abgründe Intoleranz und die ideologische Instrumentalisierung von Vorurteilen führen", ergänzte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (parteilos, von der SPÖ nominiert).
Der Entwurf von Sarah Ortmeyer und Karl Kolbitz hatte sich in einem künstlerischen Wettbewerb durchgesetzt. Bei der Planung und Umsetzung des Wiener Denkmals für die lesbischen und schwulen NS-Opfer gab es mehrere Rückschläge. So wurde der erste Siegerentwurf für den Resselpark vom britischen Künstler Marc Quinn wieder zurückgezogen (queer.de berichtete). Ursprünglich sollte das Mahnmal am Morzinplatz, dem einstigen Standort der Gestapo-Zentrale, errichtet werden (queer.de berichtete). Der Siegerentwurf des Wettbewerbs von 2006 war jedoch technisch nicht realisierbar (queer.de berichtete). Später gab es temporäre Installationen, etwa am Naschmarkt (queer.de berichtete). (mize)

















