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Ein halbes Jahrhundert lieben, kämpfen und tanzen

Der Sonntags-Club auf dem "Panke-Fest" im September 1989 (Bild: Sonntags-Club)

Der Berliner Sonntags-Club feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag – eine Ausstellung an zwei Orten feiert seine kämpferische und bewegte Geschichte.

Der Sonntags-Club im Prenzlauer Berg ist eine der wichtigsten und integrativsten queeren Institutionen Berlins. Über 20 Gruppen kommen dort zusammen und tauschen sich aus, es gibt Beratung, Kultur, Tanz und Aktionen, an sieben Tagen in der Woche. Die kämpferische und bewegte Geschichte dahinter wird nun in einer Ausstellung zum 50. Geburtstag des Sonntags-Clubs an zwei Orten sichtbar gemacht: im Sonntags-Club selbst und im Schwulen Museum.

Ein Weg durch fünf Jahrzehnte und zwei Gesellschaftssysteme. Ein Kampf um Anerkennung als Initiative, Verein und Club. Eine jahrzehntelange, schließlich erfolgreiche Suche nach einem festen Ort, der Geborgenheit, Austausch, Spaß und Aktionsräume bietet. Frühe Aktionen von trans, inter, bisexuellen und nicht-binären Menschen, lange bevor sie selbstverständlicher Teil der deutschen LGBTI-Bewegung waren. Die Diversität der Mitglieder und Gäste, aber auch die Konflikte und Aushandlungsprozesse, die beispielhaft für Entwicklungen in Community und Gesellschaft stehen. All das wird sichtbar in Erinnerungen von Zeitzeug*innen, Objekten, Dokumenten, historischen Filmaufnahmen und Fotografien. Der Sonntags-Club kann sich feiern lassen!


Der Sonntags-Club Mitte der 1990er Jahre in der Rhinower Straße (Bild: Sonntags-Club)


Die Entscheidung für eine "Homosexuelle Interessensgemeinschaft Berlin" (HIB) entstand 1973 in einem Ostberliner Wohnzimmer vor dem Fernseher. Es lief "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" von Rosa von Praunheim und Martin Dannecker. Wie an vielen anderen Orten in Deutschland entstand aus der darin eingeforderten Selbstreflexion der Wunsch nach Austausch und Aktion. Das in die Tat umzusetzen war schwierig. Politische Organisationen außerhalb der staatlichen Strukturen waren in der DDR verboten, Zusammenkünfte wurden überwacht. Die HIB traf sich in privaten Wohnräumen, später im Keller des von Charlotte von Mahlsdorf betriebenen Gründerzeitmuseums. Von Beginn an wurden öffentliche Aktionen in Ostberlin durchgeführt, und mit großem Erfolg fanden Aufführungen des Kabaretts "Hibaré" statt. Die Zulassung als Verein wurde bis zur Wende verweigert, unter dem unverfänglichen Namen "Sonntags im Club" fanden HIB-Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten statt.

1990 fand der Sonntags-Club endlich eine offizielle Struktur als eingetragener Verein, öffentliche Unterstützung – und Räumlichkeiten, die schon bald zu klein für die Anliegen und die Mitglieder wurden. Zunächst in der Rhinower Straße, ab 1999 in der Greifenhagener Straße angelangt, wurde der Sonntags-Club zu der wichtigen Institution für unterschiedlichste Gruppen der queeren Community, als die man ihn heute kennt. 1988 zum Beispiel gründete sich eine Interessengruppe Bisexueller im Sonntags-Club, die inzwischen die Bi+Bewegung maßgeblich bestimmt. Schon Anfang der 1990er gab es mit "KOMM TV/TS" eine Anlaufstelle für trans Personen, beteiligte sich der Sonntags-Club bei der Organisation des Berliner CSDs und kämpfte gegen die Übernahme des §175 in das ehemalige DDR-Gebiet.


Der Sonntags-Club am aktuellen Standort in der Greifenhagener Straße (Bild: Barbara Dietl)

Bis heute ist der Sonntags-Club seinen drei Prinzipien, die schon in der HIB entworfen wurden, treu geblieben:

● Erstens: die Gruppe wird Familie für ihre Mitglieder und Freunde, ist Ort der Geborgenheit und Partnerschaftsgestaltung.
● Zweitens: die Gruppe leistet in der Community Beratung und Information, Solidarität und Lebenshilfe, Freizeitgestaltung, politische und kulturelle Arbeit.
● Drittens: die Gruppe arbeitet in die heteronormative Öffentlichkeit, übernimmt Interessenvertretung gegenüber Behörden, Medien, Fachleuten, Organisationen, befördert Aufklärung und Bildung.

In Zeiten, in denen sich auch die Community auseinanderbewegt und sich von verschiedenen Interessen und Stimmen polarisieren lässt, ist der Sonntags-Clubs ein Ort geblieben, an dem sich Menschen unterschiedlichster Herkunft, aller Altersgruppen, mit den verschiedensten Erfahrungen und im ständigen – auch kontroversen – Austausch miteinander wohlfühlen. Worauf man sich einigt, das sind die anderen drei Prinzipien des Sonntags-Clubs seit 50 Jahren: lieben, kämpfen, tanzen!

Mehr Infos gibt es auf der Homepage des Sonntags-Clubs. Die Ausstellung im Schwulen Museum (Lützowstraße 73, 10785 Berlin) wird am Donnerstag, den 20. Juli 2023 um 19 Uhr eröffnet und ist dort anschließend bis zum 31. Dezember 2023 zu sehen. (cw/pm)


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#1 g_kreis_adventEhemaliges Profil
  • 13.07.2023, 07:01h
  • Liebe Menschen, hier ist euch leider ein kleiner Fehler unterlaufen: "1990 fand der Sonntags-Club endlich eine offizielle Struktur als eingetragener Verein". Der Sonntags-Club e.V. wurde am einen Tag nach der DEFA Film Premiere und den Fall der Berliner Mauer am 10. November 1989 als "Berliner Vereinigung von lesbischen, schwulen und bisexuellen BürgerInnen" gegründet. Am Ostersonntag, 15. April 1990 eröffnet der Sonntags-Club e.V. sein erstes Beratungs- und Informationszentrum "biz-cafe" im Berliner Prenzlauer Berg, in der Rhinower Straße 8. Von dieser Eröffnung hat sogar das Jugendradio DT64 berichtet, zum Nachhören:
    youtu.be/EdZQqwZ6Ywg
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