https://queer.de/b?4237
Praunheim-Bilder erstmals in der Kirche
Bild: Rosa von Praunheim- 19. Juli 2023,
Im Rahmen der Nürnberger CSD-Wochen zeigt die Kulturkirche St. Egidien die Ausstellung "Jesus liebt!" mit teils provokanten Bildern des schwulen Filmemachers Rosa von Praunheim.
Praunheim, der im letzten Jahr seinen 80. Geburtstag feierte, studierte als junger Mann an der Akademie der bildenden Künste in Frankfurt Malerei, bevor er sich vorrangig dem Medium Film zuwandte. Die in Nürnberg zum ersten Mal gezeigten Bilder setzten sich – wie immer bei Praunheim – kritisch, pointiert und unverblümt mit dem Spannungsfeld von Kirche, Christentum und (Homo-)Sexualität auseinander.
So thematisiert Praunheim die körper- und sexualfeindlichen Traditionen des christlichen Glaubens, verlogene Familienbilder, sowie die verharmloste Missbrauchsgefahr in den Kirchen; aber auch Jesus, Maria und den Papst als körperlich-sexuelle Wesen. Falschverstandene Heiligkeit wird subversiv unterlaufen und desakralisiert.

Bild: Rosa von Praunheim
Demgegenüber zeigt Praunheim eine souveräne und befreite schwule Gegenkultur, die sich schon lange nicht mehr von kirchlichen Bewertungen und Abwertungen abhängig macht und selbstbewusst eigene Wege aufzeigen kann, in denen Liebe verwirklicht und gelebt wird.
Der Egidier Kulturpfarrer Thomas Zeitler, der die Ausstellung organisiert, weist auf das Besondere von Praunheims Blick auf Kirche und Glaube hin:
Hier geht es eben nicht darum, dass queere Menschen in die Kirche heimgeholt und reibungsfrei integriert werden. Denn Rosas Blick ist gnadenlos aufdeckend, was die Schuldgeschichte des Christentums an Menschen angeht, die von einer traditionellen heteronormativen Zwangsmoral abgewichen sind und heute noch abweichen. Als Vorkämpfer schwuler Emanzipation tritt er uns als Kirche selbstbewusst auf Augenhöhe gegenüber, bleibt in kritischer Distanz und führt uns sein eigenes Bild eines Jesus vor Augen, der liebt, weil er voll und ganz lebendig ist. Das mag für einige fromme Gemüter sehr provozierend sein. Auch im bildlichen Einsatz expliziter Körperlichkeit und Sexualität. Aber nur auf einer solchen "tabulosen" Ebene kann ein ehrlicher und konstruktiver Dialog zwischen zwei Kulturen, der christlichen und der queeren, begonnen werden!
Begleitend zur Ausstellung zeigt das Filmhaus Nürnberg eine kleine Reihe thematisch abgestimmter und selten gezeigter Filme aus Praunheims vielfältigem Schaffen, darunter "Rosas Höllenfahrt" sowie "Jesus und Hitler. Eine Liebesgeschichte".
Die Vernissage, die zugleich der Auftakt zu den Nürnberger Prideweeks darstellt, findet am Donnerstag, den 20. Juli um 19 Uhr in der Kulturkirche St. Egidien statt (Egidienplatz 12, 90403 Nürnberg). Die Ausstellung ist zu sehen vom 21. Juli bis 12. August täglich (außer montags) von 12 bis 18 Uhr. Führungen durch die Ausstellung mit Pfarrer Thomas Zeitler finden immer samstags um 17 Uhr statt. (cw/pm)
Links zum Thema:
» Alle Veranstaltungen zum CSD Nürnberg 2023

















Wie kann man sich nur so instrumentalisieren und vor deren Karren spannen lassen?