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Chronist der queeren New Yorker Subkultur
Jimmy DeSana, Shoe, 1979 © Jimmy DeSana Trust- 26. Oktober 2023
Die Berliner Galerie Meyer Riegger zeigt in einer besonderen Ausstellung über 50 Arbeiten des queeren und an den Folgen von Aids verstorbenen US-Fotografen Jimmy DeSana (1949-1990).
Jimmy DeSana arbeitete von 1973 bis zu seinem frühen Tod in New York: No-Wave-Musik, Clubkultur, Performancekunst, die Pictures Generation und Mail Art – DeSana war nicht nur selbst Schlüsselfigur dieser Szenen, durch seine Fotografien avancierte er auch zum Chronisten der queeren New Yorker Subkultur der 1970er und 1980er Jahre.
Trotz seiner Bekanntheit in Künstler*innenkreisen zu Lebzeiten, wurde DeSanas Werk lange Zeit nur wenig Aufmerksamkeit zuteil. Erst letztes Jahr richtete das Brooklyn Museum in New York unter dem Titel Submission seine erste museale Einzelausstellung aus. Im Juli 2024 eröffnet in den Berliner KW die erste institutionelle Schau DeSanas in Deutschland.

Jimmy DeSana, Toilet, 1978 © Jimmy DeSana Trust
Meyer Riegger zeigt 53 Arbeiten aus allen Phasen seines kurzen, aber produktiven Schaffens. Mit einer Serie aus 56 Schwarz-Weiß-Lithografien namens "101 Nudes" schloss DeSana 1972 sein Kunststudium an der Georgia State University ab, wo er zunächst mit Malerei begonnen und sich ab dem zweiten Semester der Fotografie zugewandt hatte. Bereits an seinem Abschlussprojekt werden die Themen deutlich, die DeSana seitdem beschäftigten und die er, bis zu seiner Aids-Diagnose 1985, meist mit Humor betrachten sollte: Körper, Sex, Objektifizierung und Unterwerfung – fast immer in häuslicher Umgebung.
Wie die Kuratorin Elisabeth Sussman in ihrem Essay "Jimmy DeSana: Erotic Miniaturist" schreibt, waren die 1970er das letzte Jahrzehnt, in dem erotischer Hedonismus nicht mit der Gefahr einer Infektion verbunden war – ein Unwissen, das für die queere Szene große Freiheit bedeutete, die aber gleichzeitig tagtäglich eingeschränkt oder gar verunmöglicht wurde durch gesellschaftliche Anfeindungen bis hin zu gewaltsamen polizeilichen Übergriffen, von denen schwule Männer wie DeSana damals betroffen waren. DeSanas Werk ist die ästhetisch mitreißende Verhandlung der subversiven Kraft des queeren Körpers zwischen diesen beiden Polen von Freiheit und Einschränkung, Leben und Tod.
Die Ausstellung wird am Freitag, den 3. November 2023 um 18 Uhr in der Galerie Meyer Riegger (Schaperstr. 14, Berlin-Charlottenburg) eröffnet und ist dort anschließend bis zum 22. Dezember 2023 zu sehen. (cw/pm)










