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Queere Vertreibung aus dem Paradies
Tracey Rose, Lucie's Fur Version 1:1:1 – The Prelude: La Marcha de la Aparicion, 2003, Pigmenttinten auf Baumwollhadernpapier, 49 x 73 cm (Bild: Courtesy of the artist)- 12. Februar 2024
Mit rund hundert Arbeiten zeigt das Kunstmuseum Bern unter dem Titel "Shooting Down Babylon" die bisher größte Retrospektive des Werks der südafrikanischen Performance- und Medienkünstlerin Tracey Rose.
In ihren Arbeiten setzt sich Tracey Rose mit Themen wie Postkolonialismus, Geschlecht, Sexualität, Rassismus und Apartheid auseinander. Im Zentrum stehen dabei die Kraft der Performancekunst und des Körpers, der für sie ein Ort des Protests, der Empörung, des Widerstands, des Diskurses aber auch der Heilung ist. Ihre aufsehenerregende performative Praxis setzt die Künstlerin in verschiedenen Medien wie Video, Skulptur, Fotografie, Installation und Zeichnung um.
Die Ausstellung im Kunstmuseum Bern, zu sehen vom 23. Februar bis zum 11. August 2024, verfolgt Roses Weg vom frühen Interesse an Identitätsfragen hin zur Ästhetik der Gewalt und einer Auseinandersetzung mit Heilungsprozessen und Ritualen. Sie zeigt Arbeiten aus den Jahren 1990 bis 2021.
Tracey Rose lamentiert, prangert an, verzerrt und attackiert. Sie interpretiert tradierte Denkmuster und Traditionen neu, hinterfragt immer wieder festgesetzte kulturelle, geschlechtliche oder ethische Identitäten und öffnet so Raum für Diskussionen. Ihre Arbeiten produzieren Risse in der Oberfläche und die Künstlerin geht dabei so weit, selbst mythische und religiöse Ursprungserzählungen auf absurde, anarchische und karnevaleske Weise neu zu denken.

Tracey Rose, Lucie's Fur Version 1:1:1 – The Messenger, 2003, Lambda Druck, 80 x 60 cm (Bild: Courtesy of the artist)
So zum Beispiel in der Werkgruppe "Lucie's Fur", in der die Künstlerin eine andere Version der Schöpfungsgeschichte entwirft: Sie zeigt uns Adam und Eva als queeres Paar oder die Vertreibung aus dem Paradies als leicht desorientierten Ritt einer hybriden Figur durch einen kanarischen Garten Eden. Mit dieser gewagten und amüsanten neuen Gewichtung öffnet Rose die Pandora-Büchse der Fragen: Was wäre, wenn es sich gemäß ihrer Darstellungsweise zugetragen hätte und wir auf dieser Grundlage unsere Kulturtheorien und Zivilisationsgeschichten entwickelt hätten?
Der Ausstellungstitel "Shooting Down Babylon" stammt von der gleichnamigen Installation, welche 2016 als Reaktion auf den Wahlsieg Donald Trumps entstand. Rose unterzog sich dabei Reinigungsritualen, die sie filmte und in einer physisch eindringlichen Videoskulptur wiedergibt. Als Auftakt der Ausstellung verdeutlicht dieses Werk, wie verwurzelt Tracey Roses Schaffen im Körperlichen, in der Wut und in der Suche nach Spiritualität ist. (cw/pm)
Links zum Thema:
» Homepage des Kunstmuseums Bern










