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Trotz Verfolgung: Der Prater als Ort des queeren Lebens
Pressebild zur Ausstellung, Foto: unbekannt, Wien, Prater Riesenrad bei Nacht, um 1935, Wien Museum- 18. Februar 2024
Das Wiener Bezirksmuseum Leopoldstadt zeigt noch bis zum 26. Juni 2024 die sehenswerte Ausstellung "Als homosexuell verfolgt. Leopoldstädter Schicksale aus der NS-Zeit".
Insgesamt 17 Lebensgeschichten stellt der Kurator Andreas Brunner von Zentrum QWIEN vor. "Entscheidend bei der Auswahl der Geschichten war eine große Diversität der Schicksale", so Brunner. "Mit diesen Lebensgeschichten tauchen die Besucher*innen aber auch tief in die reiche homosexuelle Subkultur der Zeit ein. Es wird auch eine Geschichte des Praters und seines Umfelds erzählt, die bislang unbekannt und unsichtbar war."
Der Prater selbst, aber auch Lokale wie das Gasthaus "Zur schönen Schäferin" im Wurstelprater, oder das "Eminger" am Praterstern (heute Gasthaus Hansy) waren Teil eines bunten schwulen und lesbischen Lebens. Das Dianabad und vor allem das Römische Bad in der Kleinen Stadtgutgasse zählten zu den beliebten Treffpunkten homosexueller Männer, wobei es auch – als einzigem Bad Wiens – Hinweise auf lesbische Baderunden gibt.
"Die Rekonstruktion der Lebensgeschichten ist schwierig", sagt Brunner. "Wir haben nur die Dokumente der Verfolgung als Quelle. Diese sind in einer behördlichen, oft abwertenden Sprache verfasst und dienten einem Zweck: Sie sollten die Verdächtigen des Verbrechens der 'Unzucht wider die Natur' überführen. Zwischen den Zeilen erzählen die Strafakten auch von Einschüchterung und Gewalt durch die Gestapo und Kripo, die die Ermittlungen führten."

Foto: Martin Gerlach, 2., Volksprater – Volksbelustigungen, 1920er Jahre (Reproduktion 1959), Wien Museum
"In Gaststätten unterhielten 'Damenimitatoren', vor den Kinos warteten junge Männer auf Kunden, der große Gastgarten der Schönen Schäferin war auch bei Lesben beliebt, Freundeskreise, Sex und Liebschaften, Liebe und Beziehungen. All das gab es trotz Verfolgung", erzählt Brunner. "Gerade im Umfeld des Praters, mit seinem ständigen Kommen und Gehen und seiner verminderten sozialen Kontrolle, konnten auch lesbische Frauen und homosexuelle Männer ihre Nischen finden." Die erhöhte Verfolgungsintensität der Nazis zerstörte diese kleinen Biotope, aber auch die Leben der Betroffenen selbst. Einige kamen mit einer Kerkerstrafe davon, andere wurden in Konzentrationslagern ermordet oder hingerichtet.
"Es ist wichtig diese Lebensgeschichten als Teil der Wiener Stadtgeschichte zu begreifen", schließt Andreas Brunner. "Auch wenn sie im Verborgenen leben mussten, gehörten Menschen, die gleichgeschlechtlich begehrten, zum diversen Leben der Großstadt Wien." (cw/pm)
Links zum Thema:
» Mehr Infos zur Ausstellung im Bezirksmuseum Leopoldstadt

















