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Der Räuchermann wird queer
Bild: dpa / Hendrik Schmidt- 13. April 2024
Das Räuchermännchen gehört zu beliebtesten Souvenirs aus dem Erzgebirge. Jetzt sorgen Studierende aus Chemnitz für mehr Vielfalt bei den traditionellen Holzfiguren.
Mit der Gitarre auf dem Rücken lehnt die blonde Musikerin lässig am bunten Schornstein. Aus ihm steigt dünner Rauch auf. "Empowerella" haben Chemnitzer Studierende ihre Holzfigur genannt, die an Nina Kummer von der Indie-Pop-Band "Blond" erinnert. Sie ist eine von vier Kreationen, mit denen sie die Dominanz der Räuchermänner im traditionellen erzgebirgischen Kunsthandwerk aufmischen wollen. Dazu rücken die Student*innen Frauen und Minderheiten in den Fokus.
Jeder Mensch, der zu Hause seine Weihnachtssachen anschaue, werde rasch feststellen: Frauen sind bei den Räucherfiguren sehr unterrepräsentiert, erläuterte Kulturwissenschaftlerin Melanie Hühn. In ihrem Masterseminar der TU Chemnitz hätten sich die Student*innen zunächst mit Themen wie Tradition, Gender, Stereotype und Repräsentation auseinandergesetzt. Dabei besuchten sie Museen und Volkskunstwerkstätten. Mit einigen Gruppen haben sie sich dann intensiver befasst und zum Abschluss eigene Räucherfiguren konzipiert. Ihre Ideen wurden dann vom Holzspielzeugmacher Markus Weber in Schneeberg umgesetzt.
Neben "Empowerella" sind drei weitere Figuren entstanden: die queere Räucherfigur "Burning Gender", die eine Regenbogen-Fahne schwenkt, eine vietnamesische Pflegefachkraft und eine kritische Professorin. "Technische Universitäten wie hier in Chemnitz sind in der Regel sehr männerlastig", erklärte Hühn. Die Figur solle daher Frauen in der Wissenschaft würdigen.
Queere Räucherfiguren seien ihm bisher nicht bekannt, erklärte Frederic Günther, Geschäftsführer des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller, auf Anfrage. Doch sei es im erzgebirgischen Kunsthandwerk Brauch, gesellschaftliche Veränderungen aufzugreifen und sich augenzwinkernd mit Autoritäten auseinanderzusetzen. Jüngste Beispiele sind etwa die Figur eines Klimaklebers und die eines Kiffers. Wichtig sei dem Verband neben der regionalen Herkunft, dass die Qualität stimme, betonte Günther.
Und wie geht es nun weiter mit den modernen Figuren der Chemnitzer Studenten? Sie sind bisher Unikate. Zusammen mit den Ergebnissen des einjährigen Projekts "The Smoking Chemnitzer:in" werden sie dieses Wochenende in einer kleinen Schau auf dem Chemnitzer Brühl gezeigt. "Vielleicht findet sich auch eine Manufaktur im Erzgebirge, die Interesse hat, sie in Serie zu produzieren", sagte Hühn. Dann könnten sie nächstes Jahr, wenn Chemnitz und die Region als Kulturhauptstadt Europas Gäste aus dem In- und Ausland anlocken, manchem Besucher*innen auch als Andenken dienen, so ihre Hoffnung. (cw/dpa)
Links zum Thema:
» Das Forschungsprojekt "The Smoking Chemnitzer:in" auf Instagram










