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Galerie Newman feiert Jürgen Wittdorf
Bild: Jürgen Wittdorf / Galerie Newman- 20. April 2024
Vor 60 Jahren schuf der DDR-Künstler Jürgen Wittdorf den homoerotischen Zyklus "Jugend und Sport" – die Original-Werke werden nun abwechselnd in der Galerie Newman mitten im Berliner Regenbogenkiez ausgestellt.
Der Zyklus "Jugend und Sport" entstand 1964 als Auftragsarbeit für die Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig. Die fünf Bilder sind in großen Formaten als Holz- und Linolschnitt entstanden. Die künstlerische, aber auch die handwerkliche Umsetzung sind eine Meisterleistung des damals erst 32-jährigen Wittdorf. Zudem ist die politische Dimension interessant: Leistungssport wurde in der DDR propagandistisch instrumentalisiert. Heute ist die Kunst-Epoche des sozialistischen Realismus ein abgeschlossenes Kapitel in der deutschen Kunstgeschichte.
Eine weitere Ebene, die der Zyklus "Jugend und Sport" berührt, ist die Situation schwuler Künstler in der DDR in jener Zeit. Jürgen Wittdorf konnte nicht offen homosexuell leben. Erst heute ist die Botschaft im Werk offensichtlich. Wittdorf hat seinen Standpunkt zur Sexualität in seiner Kunst "versteckt". Den homoerotischen Einschlag haben die Kulturfunktionär*innen nicht registriert, für sie waren die männlichen Sportler von Jürgen Wittdorf ein Sinnbild für die Überlegenheit des Sozialismus.
Die Original-Werke aus dem Zyklus werden jetzt abwechselnd in der Galerie Newman (Kalckreuthstraße 14, Berlin-Schöneberg) mitten Regenbogenkiez ausgestellt. Zusätzlich gibt es in der Galerie weitere Originale und limitierte Grafik-Kunstdrucke von Wittdorf zu erwerben.
Die Galerie Newman zeigt in einer Dauerausstellung darüber hinaus Werke von Andreas Fux, Henning von Berg, Georg Weise, Frank Lorenz, Juan Boileros, Male Shibari, Stefan Miteff und vielen anderen bekannten und neuen Mitgliedern der queeren Kunst-Community. (cw)
Links zum Thema:
» Homepage der Galerie Newman










