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Vom Suizidversuch zur Ehe für alle
Bild: Piotr Nykowski- 24. Juni 2024
Mit dem bewegenden queeren Stück "Spartacus. Liebe in Zeiten der Pest" des polnischen Regisseurs Jakub Skrzywanek endete am Wochenende das zehntägige Festival Theaterformen in Braunschweig.
Mistgabeln lehnen an medizinischen Geräten. Der Boden ist mit Stroh bedeckt, hier und da liegen zerschlissene Matratzen, darauf Menschen in gestreiften Schlafanzügen. Das ganze Areal ist von Metallstäben eingezäunt. "Spartacus. Liebe in Zeiten der Pest" zeigt 48 Stunden im Alltag zweier polnischer Jugendlicher, die sich nach einem Suizidversuch in einer Kinderpsychiatrie befinden.
Laut Berichten des Journalisten Janusz Schwertner, der 2021 schockierende Erkenntnisse über die Zustände von Kinderpsychiatrien in Polen zu Tage förderte, denken dort fast 70 Prozent der queeren Jugendlichen über Suizid nach. Der Regisseur Jakub Skrzywanek hat Schwertners Bericht als Grundlage für "Spartacus" genommen und darüber hinaus selbst Interviews mit Betroffenen und Expert*innen geführt, unter anderem mit jugendlichen Patient*innen und ihren Eltern, mit der LGBTI-Organisation Lambda Szczecin sowie mit Ärzt*innen und Expert*innen mit Spezialisierung auf Kinder und Jugendliche mit Suizidgedanken.
Auf Verzweiflung und Misshandlung folgt im zweiten Teil ein bildgewaltiges Spektakel aus Tanz, Volksmusik und Kostümen aus Pride-Flaggen, dessen Höhepunkt die Hochzeit eines queeren Paares ist. "Spartacus" ist der Kampf für das Recht eines jeden Menschen, ob jung oder alt, auf Liebe, Selbstbestimmung und Akzeptanz.
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Jakub Skrzywanek ist Regisseur, Autor, Schöpfer von Performance-Installationen. Er ist als künstlerischer Leiter des Teatru Współczesny in Stettin und Programmkurator des Theaters Vaba Lava in Tallinn eine wichtige und progressive Stimme des polnischen Theaters. (cw/pm)

















