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Schwuler jüdischer Schützenkönig in Neuss
- 28. August 2024
Doppelte Premiere: In der 200-jährigen Vereinsgeschichte der Neusser Bürger-Schützen wurde am Dienstag mit Bert Römgens erstmals ein jüdischer sowie offen schwuler Mann zum Schützenkönig gekürt.
Der 58-jährige Direktor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf-Neuss setzte sich auf der vollbesetzten Festwiese im Rennbahnpark gegen seine beiden Mitbewerber Klaus Ehren (Grenadierzug "Net kalle – donn") und Stephan Meier (Tambourkorps "In Treue fest") durch. Der Holzvogel fiel allerdings erst nach dem 73. Schuss.
Bevor Römgens von seinem eigenen Zug "Nüsser Divergenten" gefeiert wurde, nahm er seinen Ehemann Dionissios "Saki" Liampotis in den Arm, berichtete die "Neuß-Grevenbroicher Zeitung". Auf Schultern wurde der neue Schützenkönig schließlich zur Proklamation getragen, begleitet von lauten "Bert"-Rufen.
Römgens folgt auf Christoph Heusgen (Schützenlust), dem er im vergangenen Jahr noch unterlegen war. Beide wurden jedoch Freunde. "Wir werden viel Spaß haben", sagte der 58-Jährige nach seinem Sieg zum Regionalblatt. "Am meisten freue ich mich auf die tollen neuen Begegnungen."
Der Titel "Schützenkönig" stammt aus der Tradition des Bürgerschützenwesens. Zur Ermittlung eines neuen Schützenkönigs gibt es keine einheitlichen Regularien, sondern jeder Schützenverein legt diese selbst fest. Das Schießen um den Königstitel wird in der Regel während eines Schützenfestes durchgeführt. Für die anschließende Proklamation des neuen Schützenkönigs wird dieser von seinem Zuhause oder einem örtlichen Gasthof samt seinem Hofstaat abgeholt und in einem großen Umzug zum Festplatz oder zum Festzelt begleitet. Die Feierlichkeiten des Schützenfestes können mehrere Tage andauern. Beim Königsschießen werden in der Regel Luftgewehre oder Kleinkalibergewehre verwendet. Die Amtsdauer eines Schützenkönigs liegt in der Regel bei einem Jahr. (mize)

















