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Queere Safe Spaces im frühen 20. Jahrhundert
Mikołaj Sobczak, Dolores and Imperio, 2023- 08. September 2024
Im Rahmen der Berlin Art Week zeigt die Berliner Galerie Capitain Petzel ab 11. September 2024 die Ausstellung "Le Boudoir de L'Amour" von Mikołaj Sobczak.
Mikołaj Sobczak konzentriert sich in seiner Arbeit auf die Schaffung alternativer Geschichtsbilder, wobei er Video und Malerei mit Performance verbindet. Sobczaks surreale, collagierte Erzählungen zeigen Protagonist*innen aus dem Queer- und Trans-Aktivismus sowie aus gegenkulturellen, emanzipatorischen Bewegungen, die konventionelle Geschichtsperspektiven durch marginalisierte Stimmen in Frage stellen.
Die Ausstellung ist inspiriert von dem Café und dem Buchladen im Pariser Stadtteil Montmartre, den Eva Kotchever, eine polnisch-jüdische Schriftstellerin, Aktivistin und Queer-Ikone, nach ihrer Deportation aus den USA nach Europa im frühen 20. Jahrhundert betrieben haben soll. Sie widmet sich solchen legendären Orten – Cabarets, Buchläden, Cafés und Hotels -, an denen queere Menschen ihre Identität authentisch und sicher zum Ausdruck bringen konnten, wobei der revolutionäre Charakter dieser Orte und ein Gemeinschaftsgefühl hervorgehoben wird.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Kotchever und Sylvin Rubinstein, ein polnisch-jüdischer Tänzer, Performer und Widerstandskämpfer. Beide historische Figuren sind eng mit dem Theater und der Organisation von Treffpunkten für Revolutionäre, Widerstandsbewegungen und queere Gemeinschaften verbunden.
Eva Kotchever, auch bekannt als Eve Adams, war eine bedeutende Persönlichkeit der Queer-Community des frühen 20. Jahrhunderts in New York City, wo sie "Eve's Hangout", eine Teestube und einen Lesbenclub im Untergrund in Greenwich Village, betrieb. Im Jahr 1925 wurde sie aufgrund ihrer radikalen Aktivitäten und Schriften aus den Vereinigten Staaten zurück nach Europa deportiert. Ihr Leben in Polen bleibt weitgehend undokumentiert. Später zog sie nach Paris, wo sie Gerüchten zufolge ein lesbisches Kabarett organisierte. 1943 wurden Kotchever und ihre Partnerin Hella Olstein in Paris von den deutschen Besatzern verhaftet und in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht. Kotchever starb nach zwei Tagen Gefangenschaft.
Sylvin Rubinstein war bekannt für seine Cross-Dressing-Auftritte, bei denen er unter dem Künstlernamen "Dolores" auftrat. Rubinstein nutzte seine theatralischen Fähigkeiten als Mittel des Überlebens und des Widerstands während der Nazi-Besatzung und verkleidete sich oft, um einer Festnahme zu entgehen.
In Sobczaks dichten und stark stilisierten Kompositionen kann man Rubinsteins Konterfei in verschiedenen Phasen seines Lebens erkennen – von seiner Zeit als Darsteller an der Seite seiner Schwester Maria in der Zwei-Personen-Flamenco-Nummer "Imperio und Dolores" bis zu seinen späteren Jahren als alternder Einsiedler, der einigen wenigen interessierten Historiker*innen kuriose und tragische Erinnerungen an seine Jugend erzählt. Rubinsteins Engagement in den Widerstandsbewegungen und seine Fähigkeit, sichere Räume für queere Individuen und Revolutionäre zu schaffen, sind von zentraler Bedeutung für das Verständnis der Überschneidung von Kunst und Aktivismus.
Die Ausstellung "Le Boudoir de L'Amour" ist vom 11. September bis 19. Oktober 2024 in der Galerie Capitain Petzel (Karl-Marx-Allee 45, 10178 Berlin-Mitte) zu sehen. (cw/pm)











