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Queere Kunst aus Südostasien
- 12. Oktober 2024
Bild: Tamarra, aus der Serie "Uri-uri Ludruk"Es gibt eine Wissenslücke über queere Menschen und Praktiken in Südostasien. Eine neue Ausstellung im Schwulen Museum Berlin will übersehene Zusammenhänge aufarbeiten und zur Diskussion stellen.
Die Ausstellung "Young Birds from Strange Mountains" zeigt ab Ende November 2024 spannende, ungewöhnliche Arbeiten von queeren Künstler*innen aus Südostasien und seiner Diaspora, insbesondere aus Thailand, Vietnam, Indonesien, Malaysia, den Philippinen und Kambodscha. Mit verschiedenen gemeinschaftsbasierten Ansätzen versuchen die Kurator*innen und Künstler*innen der Ausstellung, das Wissen der Vorfahren wiederherzustellen und neu zu erforschen.
In jüngster Zeit wurden viele politische Fortschritte erzielt, wie die kürzlich erfolgte Öffnung der Ehe in Thailand oder die Gründung des weltweit einzigen islamischen Internats für trans Personen in Indonesien. Allerdings wurden entscheidende queere Geschichten und Praktiken in Südostasien durch nationalistische Politiken ausgelöscht oder zumindest unsichtbar gemacht. Die vorkoloniale Rolle queerer Menschen als Schamanen wird oft vernachlässigt, und indigene Traditionen wie das Ludruk-Theater in Ostjava verblassen, während die vietnamesische Muttergöttin-Religion (Đạo Mẫu) weiterhin marginalisiert wird. Queere südostasiatische Spiritualität und Praktiken werden in westlichen Kontexten häufig übersehen oder falsch interpretiert.
Der Titel der Ausstellung ist einem Gedicht des versteckt schwul lebenden vietnamesischen Dichters Ngô Xuân Diệu (1916-1985) entlehnt, der zu DDR-Zeiten korrespondierendes Mitglied der Akademie der Künste war. Einige seiner Gedichte wurden zensiert, weil sie gleichgeschlechtliche Intimitäten darstellten, die damals nicht mit einer sozialen kommunistischen Gesellschaft vereinbar war.
"Junge Vögel" kann als Sinnbild für die Erfahrungen queerer Menschen in einer Gesellschaft interpretiert werden, in der sie um ihre Zugehörigkeit kämpfen und dennoch einen bleibenden Eindruck in der Geschichte hinterlassen. Es kann auch ein Symbol für Künstler*innen, Archivar*innen und Aktivist*innen sein, die aus "seltsamen Bergen" auftauchen und sich immer wieder neu überlegen, wie man anders leben kann.
Die Ausstellung wird am Donnerstag, den 28. November 2024 um 19 Uhr im Schwulen Museum (Lützowstraße 73, 10785 Berlin-Tiergarten) eröffnet und ist dort anschließend bis zum 4. August 2025 zu sehen. (cw/pm)

















