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Erster Stolperstein für homosexuelles Nazi-Opfer in Regensburg
Bilder: Martin Stauder, Queeres Regensburg. Der verlegte Stolperstein enthält durch ein Versehen ein falsches Geburtsjahr (korrekt: 1897) und wird noch ausgetauscht- 23. Oktober 2024
In der Regensburger Obermünsterstraße erinnert der am Montag verlegte Stein künftig an Max Tröster, der sich nach seiner Verhaftung nach Paragraf 175 das Leben nahm.
Der am Montag in einer Gedenkstunde verlegte Stolperstein ist bereits der 270. der Stadt und zugleich der erste, der an ein homosexuelles Nazi-Opfer in der oberpfälzischen Hauptstadt erinnert.
Das Datum zur Verlegung des Stolpersteins war dabei von der Regensburger Stolpersteingruppe mit Bedacht gewählt. In der Nacht von 20. auf 21. Oktober 1934, vor 90 Jahren, fand die erste Großrazzia nach Homosexuellen in Bayern statt, wie Susanne Feichtmayer-Arnold, Sprecherin der Initiative in Regensburg, in ihrer Eröffnung berichtete. Bürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein (CSU) sagte in ihrem Grußwort vor den zahlreich anwesenden Vertreter*innen aus der queeren Community, der Politik und der Zivilgesellschaft, "dass sich so etwas in unserer Stadt nie wiederholen dürfe!"

Während der Stolperstein in den Boden eingelassen wurde, verlas Traudl Lacher-Joedicke von der Stolpersteingruppe den Lebensweg von Max Tröster: Geboren wurde er als viertes von sechs Geschwistern im Jahr 1897. Nach dem frühen Tod seines Vaters zog die Mutter mit Max und seinen Geschwistern in die Obermünsterstraße 2. Tröster war katholisch, blieb ledig und arbeitete als Postinspektor. 1940 wurde er von Gestapo festgenommen und kam in das Regensburger Gefängnis Augustenburg. Der Haftgrund: "Homosexueller". Zwei Tage später nahm er sich das Leben. Er wurde nur 43 Jahre alt.
Stadtrat Alexander Irmisch (SPD) ging in seiner Rede als Co-Vorstand von Queeres Regensburg und Pate des Stolpersteins für Tröster ausführlich auf die Verfolgung von Homosexuellen während der Nazi-Zeit ein. "Mehr als 100.000 homosexuelle Männer wurden während der Nazi-Diktatur von den Behörden registriert, mehr als die Hälfte von ihnen wurde aufgrund des §175 StGB verurteilt. Zwischen 10.000 und 15.000 homosexuelle Männer wurden in Konzentrationslager deportiert." Dabei sei die Sterblichkeitsrate der mit rosa Winkel gekennzeichneten Männer im KZ besonders hoch gewesen.
Dass die Erforschung der Geschichte der homosexuellen Opfer der Nazi-Zeit erst sehr spät begonnen wurde, machte Irmisch auch daran fest, dass der unsägliche Paragraf 175 erst 1994 aus dem Strafgesetzbuch gestrichen worden sei und viele Angehörige aus Scham, einen Schwulen in der Familie gehabt zu haben, eine Aufklärung und Erinnerung ablehnten. "Aber gerade in der heutigen Zeit ist es so wichtig, die Erinnerung wach zu halten. Nicht zu schweigen und nicht zu vergessen, was passiert, wenn die Rechte von Minderheiten nicht mehr durch den Staat geschützt werden, Minderheiten sogar staatlich verfolgt werden."

Er beendete seine Rede mit der Hoffnung, dass die Erinnerung an das viel zu kurze Leben von Max Tröster zugleich auch die Warnung und die Botschaft sein könne, die von der Stolpersteinverlegung ausgehe: "Seid wachsam! Wenn es um die Rechte von Minderheiten geht, dürfen wir keinen Millimeter zurückweichen." (cw/pm)

















