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Die "Liebe" des homophoben Vaters

Bild: Felix Grünschloß
  • 22. November 2024

Am Schauspiel Frankfurt feierte in der vergangenen Woche das Stück "Wer hat meinen Vater umgebracht" nach dem Roman von Édouard Louis Premiere – weitere Aufführungen gibt es bis Anfang Januar.

Die autofiktionalen Romane und Erzählungen von Édouard Louis schildern mit großer Intensität, wie Armut, Enge, Ausgrenzung, Homophobie und patriarchale Geschlechterrollen in bestimmten sozialen Schichten zu immer neuen Spiralen der Ausweglosigkeit und Gewalt führen. Dabei gelingt Louis das Kunststück, die Verstricktheit der Opfer und Täter*innen und ihr Ausgeliefertsein an gesellschaftliche Machtstrukturen zu beleuchten, ohne dabei jemals in eine Unschärfe der Unterscheidung verschiedener Formen des Erleidens zu geraten.

In seinem Roman "Wer hat meinen Vater umgebracht" schildert Louis das hochgradig ambivalente Verhältnis zu seinem Vater, der den homosexuellen Sohn ablehnt, sich für ihn schämt, ihn ausliefert und misshandelt und der sein Kind dennoch liebt (Buchkritik von Fabian Schäfer). Er schildert sein eigenes Erwachsenwerden als Geschichte eines Sohnes, der den Vater abstreifen muss, um leben zu können, und sich doch nichts mehr wünscht, als von ihm gesehen zu werden. Eine Geschichte der Zärtlichkeit und Gewalt, des Selbsthasses und der Anklage, die Lisa Nielebock am Schauspiel Frankfurt als intensives und sensibles Kammerspiel zeigt.

Weitere Aufführungen gibt es am 23. November 2024, am 6. und 26. Dezember 2024 sowie am 4. Januar 2025. (cw/pm)


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