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Neue Gedenkplakette für Magnus Hirschfeld in Heidelberg

Bild: Rothe / Stadt Heidelberg
  • 11. Januar 2025

An der Hausfassade in der Sandgasse 10 in Heidelberg erinnert jetzt eine Plakette an den schwulen Arzt, Sexualwissenschaftler und Vorkämpfer für die Rechte queerer Menschen Magnus Hirschfeld.

Am 9. Januar weihte Bürgermeisterin Stefanie Jansen gemeinsam mit Helmut Metzner, dem geschäftsführenden Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die blaue Tafel an dem Haus ein, in dem Hirschfeld von 1890 bis 1891 wohnte. Die Gedenkplaketten sind Teil des Konzepts zur Erinnerungskultur der Stadt.

"Heidelberg setzt sich seit Jahren engagiert für die selbstverständliche Gleichberechtigung queerer Menschen ein. Als Arzt, Sexualwissenschaftler und Vorkämpfer für die Rechte queerer Menschen hat Magnus Hirschfeld zum Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur die wissenschaftliche Forschung revolutioniert, sondern auch ein Vermächtnis hinterlassen, das weit über seine Lebenszeit hinausreicht", erklärte Jansen bei der Einweihung der Plakette. "Sein Einsatz für Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Sichtbarkeit ist heute aktueller denn je. Mit Zeichen wie dieser Gedenkplakette erinnern wir daran, dass es mutiger Vorkämpfer bedurfte, dass wir unser heutiges Engagement, etwa im Rainbow Cities Network, leben können."

Kulturbürgermeisterin Martina Pfister ergänzte: "Gerne hat das für die Gedenkplaketten zuständige Kulturreferat die Anregung aufgegriffen, mit einer solchen Tafel an Magnus Hirschfeld zu erinnern. Der Kampf um Freiheit, Akzeptanz und ein friedliches Miteinander hat in der Kultur höchste Priorität. Heidelberg ist stolz auf seine Vielfalt und Weltoffenheit und Gleichberechtigung und freie Meinungsäußerung sind hohe Güter, die es gerade in Zeiten wie diesen mehr denn je zu verteidigen gilt."

Magnus Hirschfeld, geboren 1868 in Kolberg, gilt als Mitinitiator der Sexualwissenschaften und der ersten Homosexuellenbewegung der Welt, die über vielfältige sexuelle und geschlechtliche Lebensweisen aufklärten und zur Entpathologisierung und Entkriminalisierung queerer Menschen beitrugen. Hirschfeld setzte sich beispielsweise mit einer Petition an den Reichstag seit 1897 für die Abschaffung des Paragrafen 175 im Strafgesetzbuch ein, der Homosexualität von Männern unter Strafe stellte. Diese Petition wurde in Heidelberg von mindestens 21 gesellschaftlich hochstehenden Männern unterzeichnet, darunter Oberbürgermeister Ernst Walz. Gestrichen wurde der Paragraf erst annähernd 100 Jahre später.

Magnus Hirschfeld studierte von 1890 bis 1891 drei Semester Medizin in Heidelberg und gründete hier die jüdische Studentenverbindung Badenia, die als Reaktion auf den zunehmenden Antisemitismus entstand. Hirschfeld korrespondierte zu Beginn der Weimarer Republik auch mit dem aus Heidelberg stammenden Reichspräsidenten Friedrich Ebert. Als Sexualaufklärer, Homosexuellenaktivist, Jude und aufgrund seiner politischen Nähe zur Sozialdemokratie war Hirschfeld später für die Nationalsozialisten ein besonderes Feindbild. (cw/pm)


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