Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/b?4808

Der Verein hinter dem Frankfurter Engel verabschiedet sich

Bild: Holger Menzel
  • 01. Februar 2025

Nach 34 Jahren Bestehen löst sich die Frankfurter Initiative Mahnmal Homosexuellenverfolgung (IMH) auf – Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) dankte dem Verein für das jahrzehntelange Engagement.

"Die Arbeit der Initiative Mahnmal Homosexuellenverfolgung war maßgeblich für die Bekanntmachung und Verankerung des Gedenkens an verfolgte homosexuelle Menschen in der Stadtgesellschaft", sagte Hartwig. "Mit ihrem unermüdlichen Einsatz haben ihre Mitglieder dafür gekämpft, dass Frankfurt über einen dauerhaften Ort der Erinnerung an die Opfer der Homosexuellenverfolgung verfügt."

Das Mahnmal Frankfurter Engel auf dem Klaus-Mann-Platz mitten in der Frankfurter Innenstadt trägt die Inschrift: "Homosexuelle Männer und Frauen wurden im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet. Die Verbrechen wurden verleugnet, die Getöteten verschwiegen, die Überlebenden verachtet und verurteilt. Daran erinnern wir in dem Bewusstsein, dass Männer, die Männer lieben, und Frauen, die Frauen lieben, immer wieder verfolgt werden können."

"Als wir unsere Initiative 1990 gründeten, war es uns wichtig, einen Ort des würdevollen Gedenkens mitten in der Stadt zu schaffen", erklärte Hans-Peter Hoogen im Namen der Initiative. "Es erfüllt uns mit Stolz, aber auch mit Sorge, mit dem Frankfurter Engel 1994 ein Zeichen gesetzt zu haben, das bis heute nichts an Aktualität verloren hat. Uns ist es gelungen, dieses Mahnmal zu errichten und dabei zu helfen, das Thema in der Öffentlichkeit zu diskutieren und gegenwärtig zu halten. Anlässlich seiner 30-jährigen Präsenz in der Stadt sehen wir unsere Arbeit inzwischen als erfüllt an."

Die Initiative Mahnmal Homosexuellenverfolgung wurde 1990 von einer sechsköpfigen Arbeitsgruppe mit dem Ziel gegründet, einen Ort des Gedenkens für die im Nationalsozialismus verfolgten homosexuellen Männer und Frauen zu schaffen. Mit zahlreichen Veranstaltungen leisteten die Mitglieder der Initiative wertvolle Aufklärungs- und Vermittlungsarbeit über die Verfolgung homosexueller Menschen während des Nationalsozialismus und auch danach. Die Initiative bekam bereits im Anfangsjahr städtische Gelder, gab aber auch später trotz finanziell schwieriger Zeiten nie auf. Schließlich schaffte es die Initiative die Ausschreibung eines Wettbewerbs für ein Mahnmal zu organisieren und die Finanzierung über Spendengelder zu ermöglichen.

1993 entschied sich eine von der Initiative eingesetzte Jury im Museum für Moderne Kunst für den Entwurf "Engel" von Rosemarie Trockel, dessen Realisierungskosten sich auf circa 361.000 Deutsche Mark beliefen. Mit Unterstützung der Stadt Frankfurt, großzügiger Zuwendungen der Hessischen Kulturstiftung sowie der Hannchen-Mehrzweck-Stiftung und nicht zuletzt einer Vielzahl an Bürger*innen, die dank zahlreicher Benefizveranstaltungen auf das Projekt aufmerksam gemacht wurden, konnten die restlichen Gelder mithilfe einer bundesweiten Spendenaktion aufgebracht und das Kunstwerk realisiert werden.

Die Errichtung des Mahnmals Frankfurter Engel war somit nicht nur eine erinnerungskulturelle Bereicherung, sondern zugleich Ausdruck großer Solidarität. Der Siegerentwurf von Trockel, einer der renommiertesten bildenden Künstlerinnen der Gegenwart, wurde bereits während der Spendenaktion in der Ausstellung "Widerstand – Denkbilder für die Zukunft" im Münchener Haus der Kunst ausgestellt und generierte somit noch mehr Aufmerksamkeit für das Frankfurter Projekt.

Der Frankfurter Engel war 1994 bundesweit das erste Mahnmal seiner Art. 1995 wurde der dazugehörige Platz an der Kreuzung Schäfergasse/Alte Gasse in Klaus-Mann-Platz umbenannt.

"Die Initiative Mahnmal Homosexuellenverfolgung ist für mich ein tolles Beispiel für zivilgesellschaftliches Engagement. Es zeigt eindrucksvoll, wie weit man kommen und was man erreichen kann, wenn man von einer Sache wirklich überzeugt ist und mit Leidenschaft dafür kämpft", sagte Kulturdezernentin Hartwig. "Die Geschichte der Emanzipation und das Thema Aggression und Hetze gegenüber Homosexuellen darf nicht in Vergessenheit geraten und ist heute aktueller denn je." (cw/pm)


-w-
-w-


Newsletter
  • Unsere Newsletter halten Dich News aus der queeren Welt sowie über anstehende Termine auf dem Laufenden.