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Schwule Erotik in einer ehemaligen Tankstelle
- 03. Mai 2025
Untitled (From "The Tattoed Sailor"), 1962, Graphite on paper, 29.5 × 20.9 cm (Bild: Tom of Finland)In Rahmen des Berliner Gallery Weekend wurde am Freitagabend an einem ungewöhnlichen Ort auch eine Ausstellung der Galerie Judin mit Arbeiten von Tom of Finland eröffnet.
Tom of Finland ist mit seinen Zeichnungen in unserem kulturellen und visuellen Gedächtnis verankert. Als einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts vereint er mühelos verschiedene Superlative. Tom of Finland ist eine Ikone der Schwulenbewegung, der Mode und des Fetischs, der Kunstgeschichte und vor allem der Popkultur. Sein Vermächtnis ist von Dauer: Er inspirierte David Hockney und Jean Paul Gaultier, Freddie Mercury und Robert Mapplethorpe – und viele andere bis heute.
Dabei vergisst man leicht die reale Person und die Geschichte hinter dem Pseudonym: Touko Laaksonen, 1920 in Finnland geboren, begann als Musiker, wurde ein erfolgreicher Werbegrafiker und schuf ab den 1940er Jahren nebenbei das Werk, das wir heute mit ihm verbinden. Die Notwendigkeit eines Pseudonyms spiegelt nicht zuletzt die damalige Illegalität seiner expliziten Darstellungen von schwulem Sex wider. Erst in späteren Jahren konnte sich Tom voll und ganz seinem künstlerischen Schaffen widmen.
"Tom of Finlands kraftvolle, gut aussehende, stolze schwule Männer etablierten einen neuen Prototyp körperlicher und geistiger, fast unerreichbarer Perfektion", heißt es in der Ankündigung der Galerie Judin. "Bis heute sind sie weit über queere Kreise hinaus ein starkes Bekenntnis zu Selbstbewusstsein und sexueller Selbstbestimmtheit."
Mit der Ausstellung erwacht eine historische Tankstelle aus den 1950er Jahren zu neuem Leben. Die ehemaligen Räume des kleinen Grosz Museums wurden am Freitag unter dem Namen "Die Tankstelle" wiedereröffnet. Galerist Juerg Judin hatte die Tankstelle in der Bülowstraße 18 in Schöneberg vor einigen Jahren erworben. Mit einem Anbau, Kiefern, Bambus und einem Karpfenbassin entstand hinter hohen Mauern eine grüne Oase mitten in der Großstadt.
Die Tom-of-Finland-Schau ist dort noch bis zum 14. Juni 2025 zu sehen. (cw/dpa)
Links zum Thema:
» Mehr Infos zur Ausstellung auf der Homepage der Galerie Judin

















