https://queer.de/b?4955
Dragking des Expressionismus
Bild: Thorsten Wulff- 28. Juni 2025
Mit einer Sonderausstellung über die queere Ausnahmekünstlerin und Schriftstellerin Else-Lasker Schüler feiert das Günter Grass-Haus in Lübeck seine Wiedereröffnung.
Lasker-Schüler (1869-1945) beeindruckte mit ihrer kompromisslosen Haltung gegenüber gesellschaftlichen und politischen Zwängen. Sie stellte Geschlechterrollen in Frage und experimentierte mit Identität. Mit ihren Texten, Bildern, Briefen und Performances öffnet sie eine poetische Welt, die im Herzen der avantgardistischen Strömungen liegt, der Verschmelzung von Kunst und Leben.
Mit ihrem Alter Ego "Prinz Jussuf von Theben" etablierte sie sich als lebendiges Gesamtkunstwerk jenseits aller Konventionen – ihrer Zeit weit voraus. Zusammen mit ihrer ebenso eigenständigen und selbstbewussten Lebensweise könnten die Themen nicht aktueller sein. Ihr Leben und Werk steht bis heute für (künstlerische, politische, kulturelle und sexuelle) Freiheit, Toleranz und Vielfalt. Lasker-Schüler prägte große deutsche Künstler*innen wie Franz Marc und Lyriker*innen wie Gottfried Benn.

Else-Lasker Schüler als Prinz Jussuf von Theben um 1910 (Bild: Else Lasker Schüler-Gesellschaft)
"Es ist wichtig anzuerkennen, dass Lasker-Schüler einen Schritt weiterging als die breite Masse, indem sie ihre Kunst jenseits der Konventionen lebte", sagt Kuratorin Paula Vosse. "Ob ihre poetische Gegenwelt auch Schutz vor der immer stärker werdenden Gewalt des Nationalsozialismus bot, lässt sich schwer sagen – doch es steht außer Frage, dass Lasker-Schüler bis zum Ende ein Ideal der weitreichenden Toleranz lebte, sowohl sich selbst als auch ihrem Umfeld gegenüber."
Die Ausstellung "Else-Lasker Schüler – Künstlerin, Dichterin, Weltenbauerin" lädt dazu ein, die Zeitlosigkeit ihres Schaffens und ihrer Vita zu entdecken. Trotz begrenzter Ausstellungsfläche zeigt das Günter Grass-Haus (Glockengießerstr. 21, 23552 Lübeck) noch bis zum 9. November 2025 eine vielseitige und wechselnde Schau, die über die Vermittlung generationsübergreifend wirkt. (cw/pm)










