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Die wichtigste queere Comickünstlerin der USA
- 06. Juli 2025
Alison Bechdel, "Are You My Mother?", 2012Das Cartoonmuseum Basel präsentiert noch bis Ende Oktober die erste europäische Retrospektive zur lesbischen Comiczeichnerin und Autorin Alison Bechdel.
Die US-Amerikanerin Bechdel, Jahrgang 1960, wird durch ihren 2008 auf Deutsch erschienenen grafischen Roman "Fun Home. Eine Familie von Gezeichneten" breit bekannt. Das vom "Time Magazine" 2006 zum Buch des Jahres gekürte sowie später weltweit erfolgreiche Meisterwerk rückt Bechdels Familiengeschichte und Beziehung zu ihrem Vater in den Vordergrund, die von dessen unterdrückter Bisexualität geprägt war.
Sechs Jahre später beleuchtet ihre zweite autobiografische Erzählung "Wer ist hier die Mutter? Ein Comic-Drama" die komplexe und verwirrende Beziehung zu ihrer Mutter. Beide Bücher berühren durch Anleihen bei der klassischen Literatur, das Einflechten von psychologischen Erkenntnissen sowie eine von Ehrlichkeit, Einsicht und Humor geprägte, kluge Analyse.
Alison Bechdel ist auch die Autorin des ab 1983 publizierten queeren Comicstrips "Dykes to Watch Out For". In dieser intelligenten und witzigen Seifenoper begleitet die Leserschaft einen Freundeskreis in einer mittelgroßen US-amerikanischen Stadt durch den Alltag. Die Erlebnisse der meist lesbischen Freundinnen sowie ihrer Freunde werden differenziert mit gesellschaftlichen und politischen Themen verwoben. In diesem Comicstrip kommt auch die später als "Bechdel-Wallace-Test" bekannt gewordene, nicht ganz ernst gemeinte Prüfung auf Geschlechterklischees in Spielfilmen vor: Ein Film ist sexistisch, wenn nicht mindestens zwei eigenständige Darstellerinnen beteiligt sind, die miteinander über anderes als Männer reden.
Das Cartoonmuseum Basel präsentiert erstmals in Europa eine große Retrospektive der u. a. mit dem Eisner Award ausgezeichneten Künstlerin. Die prägnanten Tuschezeichnungen Bechdels aus allen Werken werden ergänzt von Originalen aus ihrer soeben erschienenen, autofiktionalen Graphic Novel "Spent", in der alte Bekannte aus ihrem Comicuniversum auftauchen und ihr Alter Ego sich mit der Frage beschäftigt, ob ein ethisches Leben im Kapitalismus möglich ist. Vorarbeiten, Fotografien, Filme und Bezüge zur Geschichte der Schweizer Schwulen- und Lesbenbewegung runden die Ausstellung ab.
Die Ausstellung "Alison Bechdel – The Essential" wurde am Freitag eröffnet und ist noch bis zum 26. Oktober 2025 im Cartoonmuseum Basel (St. Alban-Vorstadt 28) zu sehen. (cw/pm)











