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Pionierin der feministischen Kunst
Bild: Sarah Schumann- 14. August 2025
Die Galerie Meyer Riegger in Berlin zeigt ab kommenden Monat Collagen und Gemälde der queeren Malerin Sarah Schumann aus den Jahren 1954 bis 1982.
Schumann (1933-2019) war eine der wichtigsten Künstlerpersönlichkeiten der deutschen Nachkriegszeit. Ihr Selbstverständnis war das einer Malerin, sie hat jedoch auch in den Rollen der Grafikerin, Essayistin, Filmemacherin, Schauspielerin und Kuratorin, und vor allem als eine der sichtbarsten Protagonistinnen der Neuen Frauenbewegung in den 1970er Jahren (und darüber hinaus) tiefe Spuren im gesellschaftlichen Bewusstsein hinterlassen. Ihre langjährige Lebenspartnerin Silvia Bovenschen hat ihr 2015 mit "Sarahs Gesetz" ein eindrucksvolles wie einfühlsames literarisches Denkmal gesetzt, Harun Farocki schon 1976 mit "Ein Bild von Sarah Schumann" ein ebenso faszinierendes filmisches.
In den späten 1950er Jahren wird Sarah Schumann (damals noch unter dem Namen Maria Brockstedt) mit elektrisierenden, geradezu "alchemistischen" informellen Gemälden bekannt, die in den vergangenen Jahren in einigen Gruppenausstellungen "wiederentdeckt" wurden. Gleichzeitig zu diesen Gemälden entstehen Schumanns berühmte "Schockcollagen" (1957-64), die ein wichtiges kunsthistorisches Bindeglied zwischen den früheren Collagen Hannah Höchs und den Fotomontagen Grete Sterns sowie den späteren Collagen Martha Roslers bilden und bereits feministische Inhalte ausprägen, wie sie dann im Werk Schumanns der 1970er Jahre dominieren und die Künstlerin als eine der wichtigsten Positionen des feministischen Kunstdiskurses ausweisen. Als eine der Kuratorinnen der bahnbrechenden Ausstellung "Künstlerinnen International 1877-1977" und als Gestalterin vieler Publikationen der Neuen Frauenbewegung in West-Berlin hat Sarah Schumann schon früh feministischen Anliegen in der bildenden Kunst ein Gesicht und eine Stimme verliehen, wobei sie – etwa als Autorin der "Schwarzen Botin" – allerdings einer losen, wiewohl radikalen Fraktion angehörte, die Gefühligkeit und Identitäres scharf kritisierte – was ihre Arbeiten auch für die Gegenwart umso bedeutsamer macht.
Der ehemalige Kunstverleger, Gestalter und Ausstellungsmacher Christoph Keller hat zur Berlin Art Week 2025 in der Galerie Meyer Riegger eine quasi-museale Ausstellung mit vielen Leihgaben aus privaten Sammlungen eingerichtet, von denen die meisten überhaupt zum ersten Mal öffentlich vorgestellt werden, darunter auch etwa 60 Schockcollagen und ca. 15 Gemälde aus den späten 1950er Jahren, die erst vor kurzer Zeit durch einen glücklichen Zufall wieder aufgetaucht sind, mittlerweile restauriert wurden und nun erstmals zusammenhängend in einer Ausstellung präsentiert werden können.
Die Ausstellung bei Meyer Riegger Berlin (Schaperstr. 14, Charlottenburg) wird am Donnerstag, den 11. September 2025 um 18 Uhr eröffnet und ist dort anschließend bis zum 1. November 2025 zu sehen. (cw/pm)










