https://queer.de/b?5060
Das sind die "Queeren Held*innen" von Berlin
- 11. Oktober 2025
Bild: Rafael NasemannAn öffentlichen Orten queere Geschichte erkunden – ein neues Projekt in Berlin macht dies pünktlich zum Queer History Month möglich.
Queere Menschen haben Spuren in der Berliner Stadtgeschichte hinterlassen. Viele Geschichtsinteressierte haben schon einmal von Magnus Hirschfeld, Anita Berber, Charlotte von Mahlsdorf, Audre Lorde, Marlene Dietrich oder Jürgen Baldiga gehört und wissen um ihre Bedeutung für die queere Community. Aber es gibt auch noch andere queere Ausnahmefiguren, die zum Beispiel für das Frauenwahlrecht gekämpft, Pionierarbeit für die Emanzipationsbewegung schwuler Männer geleistet, sich im Widerstand gegen die Nazis engagiert, ihre Privaträume als Treffpunkte zur Verfügung gestellt, medizinische oder rechtliche Beratung für queere Menschen angeboten haben. Es gibt berühmte, aber auch kaum bekannte queere Held*innen.
Queere Held*innen, so unterschiedlich ihre Lebenswege auch verlaufen sind, haben erfolgreich Rechte erkämpft und Wege geebnet, queere Orte der Sicherheit geschaffen. Sie haben sich für queere Menschen eingesetzt, sich entgegen den erwarteten gesellschaftlichen Normen verhalten, neue Dinge ausprobiert. Sie wurden durch die Mehrheitsgesellschaft diskriminiert oder sogar für ihre Lebensweise und Orientierung bestraft, mussten teilweise großes Leid ertragen und haben manchmal für ihr Engagement mit dem Tod bezahlt.
Das Projekt "Queere Held*innen" ermöglicht Erinnerung an und Wissensvermittlung über queere Held*innen, Akteur*innen, Organisationen und Ereignisse an historischen Orten. Dort sind kleine Stelen und Tafeln mit einem QR-Code angebracht. Man erreicht über den QR-Code ohne separate App eine Webseite, auf der ein Audio-Beitrag in Deutsch oder Englisch abgespielt werden kann, der auch zum Lesen bereitsteht. Außerdem werden Gedenkorte in der Umgebung empfohlen und auf der Karte angezeigt, um die Entdeckungsreise fortzusetzen. Es werden Touren vorgeschlagen, auf denen man queere Orte in einzelnen Stadtteilen erkunden kann.
Das von Rafael Nasemann entwickelte Projekt ist eine Bürger*inneninitiative, nicht umsatz- oder profitorientiert und wird ehrenamtlich durchgeführt. Es ist angegliedert an die Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, wird unterstützt u.a. vom Schwulem Museum Berlin und erhielt Fördermittel vom Berliner Senat und von der Hannchen-Mehrzweck-Stiftung.

Rafael Nasemann zeigt auf den QR-Code am Eingang des Schwulen Museums (Bild: Yasmin Künze)
Bisher angebrachte QR-Codes befinden sich am Schwulen Museum, am Friedrichstadt-Palast, am Café Ulrichs, an der Magnus Apotheke, an der Urania, am Gebäude der BKK Berlin Brandenburg, an Privathäusern am Rosenthaler Platz, der Regensburger Straße, im Wedding, und der Deutschen Wohnen. Ein weitere QR-Code befindet sich neben dem offiziellen Denkmal für Magnus Hirschfeld in Berlin-Tiergarten. Webseiten bestehen zu über 30 Held*innen an mehr als 60 Orten. Weitere QR-Codes vor Ort sind geplant, aber auch ohne QR-Code gelangt man über die digitale Karte dorthin.
Die Do-It-Yourself Tour "Orange – Zu Fuß durch den Nollendorfkiez" kann man direkt nach dem Besuch des Schwulen Museums starten, indem man in der Ausgangstür den Code scannt. Die Tour "Pink" führt mit dem Fahrrad von Mitte durch den Tiergarten zum queeren Nollendorfkiez. Alle Seiten sind über diesen Link erreichbar, dort befindet sich auch eine Liste aller Orte und Audio-Beiträge. (cw/pm)

















