https://queer.de/b?5078
Einsatz für Vielfalt: Schwuler Ex-Bürgermeister Silvio Witt geehrt
Bild: SPD-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern- 29. Oktober 2025
Neubrandenburgs ehemaliger Oberbürgermeister Silvio Witt wurde am Dienstag mit dem Johannes-Stelling-Preis für Courage der SPD-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet.
Witt habe sich trotz erheblicher Widerstände konsequent für ein buntes, tolerantes und weltoffenes Neubrandenburg eingesetzt, lobte die Jury. Der parteilose schwule Politiker war zum 31. Mai 2025 als OB nach zehn Jahren zurückgetreten (queer.de berichtete). Letzter Auslöser war ein von der Stadtvertretung beschlossenes Regenbogenflaggen-Verbot. Heute tritt Witt wieder als Kabarettist und Künstler auf.
Der Johannes-Stelling-Preis ist mit 3.000 Euro dotiert und erinnert an den 1877 geborenen SPD-Politiker Stelling. Er war 1921 bis 1924 Ministerpräsident von Mecklenburg. In der Nacht vom 21. zum 22. Juni 1933 wurde er nach Misshandlungen und Folter von der SA ermordet.
In einer Festrede rief der Publizist Michel Friedman zu mehr Engagement für die Demokratie auf. "In den nächsten vier bis acht Jahren wird sich entscheiden, ob Deutschland eine Demokratie bleibt", sagte Friedman in Schwerin. Er wundere sich, dass Demokrat*innen sich in der Auseinandersetzung mit Feinden der Demokratie zwar abarbeiteten, aber dabei "immer ein bisschen auf der Bremse stehen, nicht so genau wissen, wie weit man gehen kann". Der Publizist beklagte in seiner Rede auch eine "unterkomplexe Streitkultur" in Deutschland. Man habe Konflikte in diesem Land immer eher vermieden. Die Wurzel dafür liege in der Nazi-Zeit. Oft werde versucht, über Widersprüche zu schweigen, statt sie in respektvoller Haltung dem Anderen gegenüber auszutragen.
? 20. Johannes-Stelling-Preis verliehen! Heute haben wir Menschen geehrt, die mit Haltung für Demokratie, Vielfalt und...
Posted by SPD-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern on Tuesday, October 28, 2025
|
Außerdem wurden in Schwerin drei Ehrenpreise verliehen, die mit jeweils 500 Euro dotiert sind. Sie gingen an den Internationalen Fußball-Club Rostock, den Stadtschülerinnenrat Schwerin sowie an Eckart Hübner und Bernd Kleist. Die beiden schufen in Malchin einen Erinnerungsort an die ehemalige Synagoge, wie es hieß. (cw/dpa)
















