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Transition in der Badewanne
Alexander Basil, Untitled, 2025 © Alexander Basil / Galerie Judin- 06. Dezember 2025
Unter dem Titel "Error 404" präsentiert die Berliner Galerie Judin die erste Solo-Ausstellung des russischen trans Künstlers Alexander Basil.
Selbstreflexion, Kontemplation, Suche – das sind die Begriffe, die einem zuerst in den Sinn kommen, wenn man versucht, Basils jüngste Gemälde zu beschreiben. Bei seinem aktuellen Werk handelt sich um eine biografische Retrospektive, in der mehrere Entwicklungen parallel verlaufen – vor allem Alexander Basils Werdegang als Künstler sowie seine Transition.
Zu diesem Zweck greift Basil immer wieder auf Bildmaterial zurück, das an wissenschaftliche Illustrationen von Entwicklungsstadien erinnert. Sein Tisch aus Kindertagen, übersät mit seinen frühesten Zeichenversuchen, verwandelt sich allmählich in ein voll ausgestattetes Atelier. Immer aus derselben Vogelperspektive beobachtend, wählt der Künstler – wie ein Forscher, der nach größtmöglicher Objektivität strebt – die Badewanne als Schauplatz, um Veränderungen seines Körpers zu dokumentieren: Wachstum und Reifung, aber auch Narben oder Veränderungen seiner Körperhaltung.
Basil rückt die physischen und sogar intimen Aspekte seiner Transition deutlicher denn je in den Vordergrund. Bilder des medizinischen Eingriffs erscheinen auf seinem Laptop, den er in seinen Gemälden – analog zu einer Leinwand oder einem Skizzenblock – immer wieder als unverzichtbares Werkzeug zur Untersuchung und visuellen Aneignung seiner Umgebung präsentiert.
Basils Recherchen führten ihn zur Lebensgeschichte von Laurence Michael Dillon (1915-1962), einem Briten, der in den 1940er Jahren als erster trans Mann eine Phalloplastik – die chirurgische Konstruktion eines Penis – vornehmen ließ. In dem entsprechenden Gemälde ist das Gesicht des Künstlers über Dillons Porträt aus Wikipedia gelegt – so wie es in anderen Gemälden an einem zerbrochenen Schlüssel oder an dem Löwen auf der Tarotkarte "Stärke" haftet.
Indem er sein Gesicht Objekten und Figuren leiht, die eine persönliche Verbindung zu ihm haben, vermittelt Basil ein Gefühl der totalen Durchdringung – von allem, was seine Gedanken beschäftigt. Diese kleinen Gesichter, die sich an die Betrachtenden richten, wirken wie eine Einladung, genauer hinzuschauen, sie selbst zu entschlüsseln. Und doch blicken sie im wahrsten Sinne des Wortes auch die Betrachtenden an, als stünden die Objekte selbst kurz davor zu sprechen: "Denn hier gibt es keinen Ort, an dem man dich nicht sieht. Du musst dein Leben ändern."
Die Ausstellung "Error 404" ist noch bis zum 24. Januar 2026 in den Mercator Höfen (Potsdamer Str. 77-87, 10785 Berlin) zu sehen. (cw)
Links zum Thema:
» Mehr Infos zur Ausstellung auf der Homepage der Galerie Judin
















