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Institution der Selbstermächtigung: 40 Jahre Schwules Museum
Die "Gründermütter" des Schwulen Museums Manfred Baumgardt, Wolfgang Theis, Andreas Sternweiler und Manfred Herzer-Wigglesworth (v.l.n.r.) 1986 vor dem Grundstock von Bibliothek und Archiv in den Räumen der AHA (Fotograf*in unbekannt, Archiv SMU)- 11. Dezember 2025
Die neue Ausstellung "... und damit fingen dann die Probleme an" im Schwulen Museum Berlin erzählt die Entstehungsgeschichte des Vereins und beleuchtet zum 40. Geburtstag die bewegten ersten Jahre der queeren Institution.
Westberlin, Mitte der 1980er Jahre. Auf dem Höhepunkt der Aids-Krise, in der Homosexualität in den Medien häufig stigmatisiert wurde und mit Angst verknüpft war, suchte die Schwulenbewegung nach neuen Wegen der Selbstbehauptung. Viele Schwule in Berlin waren sichtbar, kämpferisch und gut vernetzt. Sie wollten ihre Geschichte selbst erzählen, ihre Kultur dokumentieren und ihre Identität nicht länger von außen definieren lassen.
Im Berlin Museum wurde zwischen Mai und Juni 1984 erstmalig die Geschichte und die Kultur homosexueller Frauen und Männer in Berlin von 1850 bis 1950 in einer Ausstellung präsentiert ("Eldorado"). Über 40.000 Besucher*innen kamen – ein voller Erfolg. Die Ausstellung wurde von vier Schwulen und neun Lesben verantwortet. Bei den schwulen Kuratoren entstand die Idee, einen Ort zu schaffen, der die eigene Geschichte dauerhaft bewahrt und sichtbar macht.
Am 6. Dezember 1985 gründeten Manfred Baumgardt, Wolfgang Theis, Manfred Herzer-Wigglesworth, Andreas Sternweiler und Egmont Fassbinder den Verein der Freunde des Schwulen Museums in Berlin. Da die Gründung eines Vereins sieben Personen benötigt, unterschrieben noch in einer solidarischen Aktion Detlef Mücke und Winfried Kuhn. So entstand eine Institution der Selbstermächtigung: ein Archiv, das schwules Leben sammelte, eine Bibliothek, die Wissen bewahrte, und Ausstellungen, die Geschichte sichtbar machten.
Nach der Vereinsgründung nutzte das Schwule Museum von 1986 bis 1988 Räume der Allgemeinen Homosexuellen Arbeitsgemeinschaft (AHA) in der Friedrichstraße. 1990 zog der Verein in eigene, größere Räume im Mehringdamm, 2013 erfolgte der Umzug an den aktuellen Standort in der Lützowstraße.
Was als kämpferische Initiative einiger schwuler Männer begann, ist zu einer international anerkannten Institution geworden, die die Vielfalt queerer Lebensweisen sichtbar macht.
Die von Birga Meyer und Luan Pertl kuratierte Ausstellung ist noch bis März 2026 im Schwulen Museum (Lützowstraße 73, 10785 Berlin-Tiergarten) zu sehen. (cw/pm)
















