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Lederkerle als sakrale Ikonen

  • 01. Januar 2026
Bild: Hendrik Terwort

Münchens Schwul-Queeres Zentrum Sub lädt am Dienstag, den 6. Januar 2026 zur Vernissage der neuen Ausstellung "Ikonen" von Hendrik Terwort ein.

Terworts Serie "Ikonen" umfasst kleinformatige Porträts und Objektbilder, die in einer Petersburger Hängung als bildnerisches Gesamtwerk geordnet werden. Der schwule Künstler setzt sich dabei mit queeren Körperbildern, Begehren und der Ästhetik des Kultischen auseinander.

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass bestimmte Bildwelten – insbesondere in der Fetisch- und Social-Media-Kultur – eine vergleichbare Funktion wie sakrale Ikonen übernehmen: Sie werden inszeniert, verehrt, gespeichert, überhöht. Dabei entsteht aber auch so etwas wie eine kanonisierte Leere, in der sich wiederum die eigene Wahrnehmung dieser Bildwelt spiegeln kann.

Formal und konzeptionell nimmt die Serie Bezug auf katholische Bilderwände aus dem süddeutsch-barocken Raum, wie sie vor allem in bayerischen Pilgerkirchen zu finden sind: Arrangements aus Reliquien, Votivbildern, Gebeten und kleinen Porträts, meist dicht gehängt, gerahmt, getragen von persönlicher Aufladung und kollektiver Bedeutung.

Die gemalten "Ikonen" knüpfen an diese Bildsprache an, jedoch mit gegenwärtigen Inhalten: Männerporträts, Heiligenschein-Formen, klare Frontalität, aufgeladen von der offensichtlichen Konstruktion von Männlichkeit in der Fetischszene.

Technisch werden die Arbeiten auf Rückseiten von Postkarten ausgeführt, meist aus dem Kontext von Museen, Ausstellungen oder urbaner Werbung. Dieses Trägermaterial schafft eine Verbindung zwischen Alltäglichkeit, Erinnerung und öffentlicher Repräsentation. Malerei und Rahmung bilden eine bewusst dichte Oberfläche, vergleichbar mit einem kleinen Kultbild, das zwischen Andacht, Projektion und Selbstinszenierung changiert.

Die Serie "Ikonen" ist ein laufendes Projekt, in der sich Hendrik Terwort mit Identität, Körper, Verletzlichkeit und der Frage auseinandersetzt, wie Bilder Bedeutung erhalten. Durch Form, Kontext und durch das, was wir bereit sind, in ihnen zu sehen.

Die Vernissage findet am Dienstag, den 6. Januar 2026 um 19 Uhr im Schwul-Queeren Zentrum Sub (Müllerstraße 14, München) statt. Der Eintritt ist frei. (cw/pm)


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