https://queer.de/b?5155
Bei Ernie kannst du gehen, bei Bert bleibst du stehen
Bild: IMAGO / Stephan Wallocha- 13. Januar 2026
An zwei Kreuzungen an NDR-Standorten in Hamburg regeln seit Dienstag Ampeln mit den beiden Sesamstraßen-Figuren Ernie und Bert den Verkehr.
Das Männerpaar übernimmt die Rolle der Ampelmännchen am Hugh-Greene-Weg Ecke Julius-Vosseler-Straße sowie an der Rothenbaumchaussee Ecke Oberstraße. Dort heißt es nun: Bei Ernie kannst du gehen, bei Bert bleibst du stehen.
Zur offiziellen Einweihung kamen neben lebensgroßen Puppen von Ernie und Bert auch NDR-Intendant Hendrik Lünenborg und der Managing Director Sesame Workshop Europe, Bernhard Gloeggler, vorbei. Der NDR produziert als Vertragspartner seit mehr als 50 Jahren die deutsche Kinderserie.
Bundesweit gibt es zahlreiche Varianten der klassischen Ampelmännchen. In Mainz etwa helfen die Mainzelmännchen über die Straße, im niedersächsischen Emden der Ehrenbürger Otto Waalkes und in Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt Schwerin das Petermännchen. In München übernimmt Pumuckl als Ampelmännchen, im hessischen Friedberg Elvis Presley und in Bremen die Bremer Stadtmusikanten.
Gestartet wurde der Hype um vielfältige Ampelpersonen zum Eurovision Song Contest 2015 in Wien: Im Vorfeld des Musikfestivals installierte die Stadt gleichgeschlechtliche Ampelpärchen, um ein kreatives Zeichen für Vielfalt zu setzen (queer.de berichtete). Das führte zu weltweiter Berichterstattung, was die österreichische Hauptstadt dazu brachte, die eigentlich zeitlich begrenzte Aktion fortzusetzen. In Folge galt die Aktion für viele weitere Städte auch als vergleichsweise günstige Werbemaßnahme, um Schlagzeilen zu generieren und queere Tourist*innen anzuziehen – zum Unmut vieler Konservativer. So protestierte letztes Jahr die Junge Union in Lüneburg gegen queeren Ampelpärchen (queer.de berichtete).
Ob sich Konservative auch über Ernie und Bert aufregen werden? Immerhin gelten die beiden schon seit Jahren als schwule Symbolfiguren, die zusammen wohnen, ihren Alltag teilen und sich streiten und versöhnen wie alte Ehepaare (queer.de berichtete). Gerade in einer Zeit, in der queere Figuren im Fernsehen praktisch unsichtbar waren, war dieses Bild eines intakten gleichgeschlechtlichen Paares von vielen insbesondere schwulen Zuschauern als vertraut und tröstlich gelesen worden.
"Sesamstraßen"-Autor Mark Saltzman sagte auch 2018, er habe die Beziehung der beiden Stoffpuppen "nie anders deuten" können als die eines Liebespaares (queer.de berichtete). Das Dementi der Produktionsfirma erfolgte aber umgehend (queer.de berichtete). (cw)
















