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Queeres Begehren in seiner Vielfalt
Carlos Motta, Stil Nefandus, 2013, Courtesy of Mor Charpentier- 26. Februar 2026
Im Queer Museum Vienna wird heute die neue Ausstellung "Imagining Queer Utopia" eröffnet.
Was wäre, wenn wir uns erlaubten, das Leben in seiner ganzen Intensität zu spüren, selbst wenn es uns irritiert oder verunsichert? Die Ausstellung Imagining Queer Utopia" imaginiert eine Utopie, in der der Mensch nicht als Herrscher der Welt, sondern als sich ständig transformierender Teil dieser verstanden wird. Hierarchien verschwinden, Beziehungen sind in ständigem Fluss und auch das Selbst steht immerzu im Wandel. In dieser Zukunftswelt müssen sich Begehren und Identität nicht in Kategorien fügen. Die Ausstellung ruft stattdessen dazu auf, seinem Verlangen ohne Urteil zu folgen.
Großformatige Textilarbeiten der Künstlerin Zula Tuvshinbat zeigen wilde, feminine und göttliche Gestalten, die verführen, aber auch bedrohlich wirken. Verlangen, Angst und Spannung sind zeitgleich erfahrbar. Surreale Malereien von Krzysztof Gil erzählen von hybriden Wesen, von Sirenen und mythologischen Begegnungen, die simultan ein Spektrum von Stimmen und Perspektiven ermöglichen. Queeres Begehren, welches sich weigert, normativen Skripten zu folgen, präsentiert sich in seiner Vielfalt.
Der Kurator der Ausstellung, Michał Rutz, positioniert Ökologie in seiner Utopie als verflochten mit dem veränderlichen Selbst. Menschen und Materie sind instabil, sie existieren in mehreren potenziellen Zuständen. In den Kunstwerken verschmelzen Körper, Objekte und Landschaften. Sie lassen binäre Ordnungen und egozentrische Erzählungen hinter sich.
Liliana Zeics Arbeit verhandelt die organische Welt in ihrer Komplexität, von Fortpflanzung bis Zuwendung. Der kolumbianische multidisziplinäre Künstler Carlos Motta nimmt die Betrachter+innen in einer kontemplativen Videoinstallation mit in die Kolonialzeit und deren Narrativ der Sünde. Die großformatigen Gemälde von Paweł Matyszewski laden zum Eintauchen in organische Formen, in Kompositionen aus Blüten, Haaren, Ranken und Körper ein. Sie bewegen sich zwischen Schönheit und Ekel, zwischen Pflanzen und Intimität. Genauso verschmelzen in Pille-Riin Jaiks Skulptur Materialien und Objekte miteinander. Sie besticht durch Materialität, die ihre eigene Geschichte erzählt. Bartosz Kokosińskis Assemblagen verschlingen ganze Städte. Das Einfamilienhaus, ein Abbild der etablierten Ordnung der nuklearen Familie, wird verbogen und verdreht. Neue Möglichkeiten des kommunalen Lebens erwachsen aus der dargestellten Zerstörung.
Die Ausstellung "Imagining Queer Utopia" im Queer Museum Vienna (Otto Wagner Areal, C-Gebäude Baumgartner Höhe 1, Wien) ist vom 27. Februar bis zum 21. Juni 2026 immer donnerstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet und wird von einem umfangreichen Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramm begleitet. Eine Auswahl der Arbeiten zeigen wir in der unten verlinkten Galerie. (cw/pm)











