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Queeres Leben auf dem Land

  • 13. März 2026
Hermann, Milchbauer und Geflügelhalter, D-Pommersfelden 2019, Pancho Assoluto, from the series 'out there', Courtesy of Pancho Assoluto

Die kommende Ausstellung "Cruising the Countryside" im Schwulen Museum Berlin gibt Einblicke in LGBTI-Aktivismus, queere Communitys und Utopien in der sogenannten Provinz.

In Brandenburger Dörfern finden Pride-Paraden statt, zwischen Kraut und Rüben wird sich auf dem Acker geküsst und tuntig über den Feldweg gestöckelt, es kommt zu landwirtschaftlichem gender bending und hinterm Autobahnkreuz lässt es sich gut cruisen.

Queeres Leben auf dem Land gab es immer: In den 1920er Jahren suchten lesbische Frauen nach Gleichgesinnten in ländlichen Räumen, in den 1950ern wird es homophil zum Herrentag, im Hunsrück protestierten Frauen und Lesben in den 1980ern gegen Krieg und Patriarchat, die Zeitschrift "PROvinz" berichtete in den 1990ern aus dem lesbisch-schwulen Leben in Neubrandenburg. Heute gibt es tin* Bildung im ostsächsischen Klassenzimmer und mehr sichtbare queere Menschen in der Landwirtschaft.

Die Lebensrealitäten auf dem Land sind so komplex wie die Menschen, die sie leben. Die Ausstellung "Cruising the Countryside – Queeres Leben auf dem Land" begibt sich auf eine Wanderung durch Kleinstädte, zu Bauernhöfen und in entfernte Dörfer. Der Großteil der Wanderung führt von den 1970er Jahren bis in die Gegenwart. Es gibt aber auch Ausflüge, die bis zurück in die 1920er Jahre führen.

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Im Gebirge zeigen sich queere Gemeinschaften, Zusammenschlüsse und Solidarität. Auf den Inseln, umgeben von rauer See, werden Geschichten von Isolation und dem Alleine-Sein erzählt. Im Mischwald ist das Land mit der Stadt verbunden, die Höfe mit Dörfern und Kleinstädten. Im widerspenstigen Gestrüpp der Heide wachsen Natursehnsüchte und Dorf-Fantasien. Und in der Weite der brandenburgischen Seenplatte zeigt sich vielfältiger queerer Aktivismus.

Die Ausstellung zeigt historisches Material aus dem Archiv des Schwulen Museums, das vom Leben auf dem Land und dem LGBTI-Aktivismus dort erzählt. Weitere Leihgaben stellen eine Vielzahl von queeren Initiativen vor und aktuelle Videointerviews mit Menschen aus Brandenburg geben einen Einblick, was ländliches queeres Leben für sie ausmacht. Begleitet wird die Ausstellung von historischen Materialien und zeitgenössischen künstlerischen Positionen, die Stallvibes, Gebirgsblues, Feldkreativität und Provinz-Könige zeigen.

Die von Collin Klugbauer kuratierte Ausstellung wird am Mittwoch, den 30. April 2026 um 19 Uhr im Schwulen Museum (Lützowstraße 73, 10785 Berlin-Tiergarten) eröffnet und ist dort anschließend bis zum 2. November 2026 zu sehen. Ausgestellt werden Werke von Alizé Rose-May, Ärzte ohne Ängste, Cécil Ludwig Röski, Gerda Rotermund, George Platt Lynes, Harry Hachmeister, Jürgen Wittdorf, K. Oechsler, Lena-Rosa Händle, Ludwig von Hoffmann, Pancho Assoluto, Renée Sintenis und Therese Koppe. Einige ausgewählte Exponate zeigen wir in der unten verlinkten Galerie. (cw/pm)

Galerie:
Cruising the Countryside
9 Bilder

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