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Dandys zwischen Dekadenz und Moderne

Edward W. Godwin (William Watt, London); Buffet, 1867; Sammlung Ludewig (Foto: Martin Adam, Berlin)
  • 14. April 2026

Die neue Ausstellung "Edward W. Godwin und Oscar Wilde. Dandys Dekadenz Moderne" im Berliner Bröhan Museum widmet sich zwei herausragenden Protagonisten des Aesthetic Movements, dessen Kult der Schönheit einen wesentlichen Impuls für die Entstehung der gestalterischen Moderne setzte.

Ausgehend von der beispielhaften Verbindung von Kunst, Design und Lebensstil, die Godwin und Wilde kultivierten, beleuchtet die Schau die ästhetischen und gesellschaftlichen Grundlagen einer Bewegung, die über das 19. Jahrhundert hinaus wirkmächtig blieb und die Entwicklung des Designs maßgeblich beeinflusste.

Edward William Godwin (1833-1886) war einer der radikalsten und einflussreichsten Designer des viktorianischen Englands. Sein Möbeldesign bestimmte eine intellektuell fundierte neue Gestaltungskultur im Umfeld des englischen Ästhetizismus. In einer Zeit, in der das Interieur zunehmend zur Bühne des individuellen Geschmacks wurde, schuf Godwin Möbel, die nicht bloße Repräsentationsobjekte, sondern Ausdruck einer Idee waren. Er strebte eine synthetische Verbindung von Form, Funktion und kultureller Bedeutung an.

Der schwule Schriftsteller Oscar Wilde (1854-1900) war ein enger Freund Godwins. Als ikonische Gestalt des viktorianischen Englands prägte er das Lebensgefühl seiner Zeit zwischen Dandytum und Dekadenz. Godwin und Wilde waren Brüder im Geiste, deren künstlerisches Werk jeweils Ausdruck einer umfassenden Bildung und einer außerordentlichen Wissbegier war. Beide strebten nach einer ästhetischen Durchdringung des Alltags und seiner Verwandlung in Kunst. Als Universalgelehrte vereinten sie architekturtheoretisches Wissen mit tiefgreifender Kenntnis der Kunst- und Kulturgeschichte. Diese intellektuelle Breite durchzieht ihr gesamtes Schaffen und macht sie zu kongenialen Stilikonen, deren Ruhm weit über die Grenzen einzelner Disziplinen hinausreicht.

In der Ausstellung treten sie in einen Dialog aus Gedanken und Entwürfen. Anhand von zahlreichen hochkarätigen Leihgaben wird der Künstler als Dandy zwischen Dekadenz und Moderne thematisiert. Zu sehen ist die Schau im Bröhan Museum noch bis zum 30. August 2026. (cw/pm)


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