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"Menschen mit HIV gegen rechts – grenzenlos und solidarisch!"
Bild: DAH / Holger Wicht- 16. August 2026
Rund 300 Menschen mit HIV und Unterstützer*innen haben am Samstag in der Magdeburger Innenstadt gegen Diskriminierung und für eine solidarische Gesellschaft demonstriert.
Unter dem Motto "Menschen mit HIV gegen rechts – grenzenlos und solidarisch!" richteten sie ihre Botschaft für Menschenrechte und gegen Ausgrenzung bewusst an die bevorstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt. Zugleich protestierten sie gegen die massiven Kürzungen bei globalen HIV-Maßnahmen, die derzeit die Versorgung von Millionen Menschen weltweit gefährden. Die Demonstration war Teil der Selbsthilfekonferenz "Positive Begegnungen", die noch bis Sonntag an der Otto-von-Guericke-Universität stattfindet.
"Menschen mit HIV gehören überwiegend Minderheiten an, die immer stärkeren Anfeindungen ausgesetzt sind. Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung betreffen sie in besonderem Maße. Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen sind wir tief besorgt. Deswegen haben wir heute in Magdeburg für eine vielfältige und solidarische Gesellschaft demonstriert", sagte Ulf Kristal, Vorstandsmitglied der Deutschen Aidshilfe und selbst HIV-positiv.
"Wir stehen hier alle zusammen: Menschen, die aufgrund von HIV und anderer Merkmale diskriminiert und stigmatisiert werden. Wir stehen auf gegen alle, die sich entsolidarisieren, Rassismus und anderen Hass verbreiten und die Spaltung und den Rechtsruck dieser Gesellschaft vorantreiben", sagte Silke Klumb, Geschäftsführerin der Deutschen Aidshilfe, auf der Demonstration.
Klumb weiter: "Wir können uns nicht zurücklehnen, bis nicht alle Menschen auf dieser Welt Zugang zu Medikamenten haben. Hier bei uns in Deutschland darf medizinische Versorgung nicht vom Aufenthaltsstatus oder von Krankenversicherungen abhängen. Gesundheit ist ein Menschenrecht! Solidarität rettet Leben!"
Valeria Rachinska, HIV-Aktivistin und Menschenrechtsdirektorin des ukrainischen Netzwerks von Menschen mit HIV "100%LIVE", erklärte auf der Demonstration: "In der Ukraine verteidigen wir uns gegen Russland und schützen so Demokratie, Menschenrechte, LGBTQI-Rechte und das Recht aller Menschen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und zu leben, wie sie es möchten. Deutschland hat Solidarität gezeigt. Wir wollen heute auch Deutschland helfen, die deutsche Demokratie und die Menschenrechte hier zu schützen. Gemeinsam kämpfen wir für LGBTQI-Rechte und für Menschen, die mit HIV leben."
Der Demonstrationszug machte neben der Kundgebung an Stationen mit besonderer Bedeutung für Demokratie und Emanzipation Halt, darunter der Magdeburger Landtag und das sogenannte Braune Haus, das sowohl Symbol der Demokratie als auch Ort nationalsozialistischer Unterdrückung war. Außerdem passierte die Demonstration den Ort, an dem Dr. Magnus Hirschfeld, Vorreiter der queeren Bewegung in Deutschland, vor mehr als 100 Jahren seine erste Praxis hatte. Sein späteres Institut für Sexualwissenschaft wurde von den Nazis zerstört, seine Bücher und eine Büste des schwulen Arztes verbrannten sie.
Mit Blick auf Vorurteile gegenüber HIV-positiven Menschen und aktuelle Verleugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse von ganz rechts erinnerte Matthias Kuske als Sprecher der Demonstration an einen Grundpfeiler Hirschfeldschen Denkens: Wissen schafft Gerechtigkeit. (cw/pm)
















