https://queer.de/b?5380
Nationales Denkmal für Kanadas queere Community
Bild: IMAGO / ZUMA Press / Patrick Doyle- 23. August 2026
In der kanadischen Hauptstadt Ottawa ist am Freitag das erste nationale Denkmal für die queere Community des Landes eröffnet worden.
Das Monument mit dem Namen "Thunderhead" (Gewitterwolke) erinnert an die sogenannte LGBT Purge – eine jahrzehntelange staatliche Kampagne, in deren Zuge Tausende queere Angehörige der kanadischen Streitkräfte, der Bundespolizei RCMP und des öffentlichen Dienstes verfolgt und entlassen wurden.
Die Verfolgungswelle begann in den 1950er Jahren und dauerte bis in die 1990er Jahre an. Nach Schätzungen von Forscher*innen waren rund 9.000 Menschen betroffen. Sie wurden systematisch aufgespürt, schikaniert und aus ihren Positionen gedrängt.
Das Denkmal besteht aus einer rund neun Meter hohen Säule, die von einer wolkenförmigen Öffnung durchbrochen wird. Im Inneren sind Tausende verspiegelte Kacheln angebracht, die Licht reflektieren. "Wir haben es mit Spiegelfliesen ausgekleidet, damit es sich anfühlt, als stünde man in einer riesigen Discokugel", sagte Todd Ross, Ko-Vorsitzender des LGBT Purge Fund, gegenüber dem Sender CBC.
Entworfen wurde das Monument von einem Team um das in Winnipeg ansässige Büro Public City Architecture, gemeinsam mit Albert McLeod sowie den Künstlerinnen Shawna Dempsey und Lorri Millan. Die umliegende Parkanlage umfasst unter anderem einen Ahornbaum, einen Heilkreis, einen Heilpflanzengarten sowie einen Obstgarten. Nach Angaben des Ministeriums für Kulturerbe greift die Gestaltung auch spirituelle Vorstellungen der Anishinabe auf, wonach Gewitter reinigende und erneuernde Kraft besitzen.
Finanziert wurde das rund 15 Millionen kanadische Dollar teure Projekt aus einem Vergleich, den Überlebende der Verfolgung 2018 in einer Sammelklage gegen die kanadische Regierung erstritten hatten. Das Gesamtvolumen des Vergleichs betrug 145 Millionen kanadische Dollar. Die Klage war von 719 Betroffenen eingereicht worden. Der damalige Premierminister Justin Trudeau hatte sich 2017 offiziell für das Vorgehen des Staates entschuldigt.

Auch Ex-Premierminister Justin Trudeau kam zur Einweihung (Bild: IMAGO / ZUMA Press / Patrick Doyle)
Michelle Douglas, Geschäftsführerin des LGBT Purge Fund, war selbst betroffen: Sie wurde Ende der 1980er Jahre aus der kanadischen Armee entlassen, ihre Klage von 1992 zwang das Militär später zu einer Ausweitung seiner Antidiskriminierungsrichtlinien. "Wir erzählen die Geschichten dessen, was so vielen von uns widerfahren ist, und stellen sicher, dass die Kanadier*innen wissen: Zu dieser Zeit dürfen wir niemals zurückkehren", sagte Douglas der Nachrichtenagentur The Canadian Press.
Das Denkmal liegt am Ufer des Ottawa River nahe der Portage-Brücke und der Wellington Street, in Sichtweite von Parlament und Oberstem Gerichtshof. (cw)
















