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Stammtisch-Politik
- 24. Oktober 2014,

Nicht jede gutgemeinte Idee ist auch gutgemacht: Mit merkwürdigen Bierdeckeln will die Landeszentrale für politische Bildung von Sachsen-Anhalt u.a. Homophobie bekämpfen.
"Homosexualität ist widernatürlich", "Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg" oder "Die da oben machen doch, was sie wollen" steht in Frakturschrift auf den insgesamt sechs Motiven, die in einer Auflage von jeweis 1.000 Stück gedruckt wurden und nun kostenlos an interessierte Kneipenbesitzer abgegeben werden sollen. Auf der Rückseite der Bierdeckel werden die typischen Stammtischparolen dann mit Argumenten entkräftet.
So zumindest die Theorie. Der Text des Homo-Pilsuntersetzers jedenfalls ist ziemlich unglücklich formuliert. Dort heißt es wörtlich: "Die sexuelle Identität ist in keinem Fall widernatürlich, sondern Privatsache". Nicht nur verwechselt der Autor, der die Bierdeckel im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres kreierte, sexuelle Identität und sexuelle Orientierung, auch bei der angeblichen "Privatsache" zeigt er, dass er wirklich nichts vom Thema Homophobie begriffen hat. Privat ist, was man mit wem konkret sexuell anstellt, aber nicht die sexuelle Orientierung an sich. Mit dem Verweis auf das "Privatleben" wettern Konservative und Kirchen seit Jahren gegen Gleichstellung und die Sichtbarkeit von Lesben und Schwulen.
Weiter heißt es auf den Bierdeckeln: "Es gibt 2 Ansätze, wie sich sexuelle Identität herausbildet - entweder ist sie von Geburt an festgelegt oder bildet sich bis zur Pubertät aus". Auch hier weiß der Autor nicht nur mehr als die Wissenschaft, sondern nervt auch mit der ewigen Frage nach der Ursache von Homosexualität.
Für die nächste Auflage der Bierdeckel empfehlen wir deshalb den Spruch, mit dem die Initiative Enough is Enough in diesem Jahr auf zahlreichen CSD-Veranstaltungen präsent war: "Wann hast du entschieden, hetero zu sein?" Da spart man sich dann auch das Bedrucken der Rückseite...

Ein PDF mit allen Motiven gibt es hier. (mize)










