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Pu, der Kastrat
- 22. November 2014,

Pu, der Kastrat. Nach den Teletubbies geht es in Polen nun Pu dem Bären an den Kragen. Die Stadt Tyczyn will die Kinderbuchfigur als "Exhibitionisten" und "Hermaphroditen" von einem öffentlichen Spielplatz verbannen.
In der heimlich aufgezeichneten Gemeindevertretung war man sich einig, dass Pu der Bär als Maskottchen für einen neuen Kinderspielplatz ungeeignet sei - wegen seines "nicht jugendfreien Kleidungsstils" (es ist untenrum nackig) und seiner "dubiosen Sexualität" (ein Geschlechtsteil ist nicht zu sehen).
Die 1926 von Kinderbuchautor Alan Alexander Milne geschaffene Romanfigur wäre kein gutes Vorbild für den Nachwuchs, befanden die Politiker. "Der Bär kommt halbnackt daher und ist deshalb nicht kindgerecht", schimpfte etwa Stadtradt Ryszard Cichy in der Debatte. Ein weiteres Mitglied meinte: "Er trägt keine Unterhose, weil er geschlechtslos ist, er ist ein Hermaphrodit."
Stadträtin Hanna Jachimska hatte dafür sogar eine Erklärung parat: "Schuld daran ist sein Erfinder. Der Autor war bereits über 60 Jahre alt, als er Pu mit einer Rasierklinge kastrierte, weil er ein Problem mit seiner Identität hatte. Das ist sehr verstörend."
Im Jahr 2007 hatte es in Polen schon einmal Streit um eine beliebte Kinderfigur gegeben. Damals forderte Ewa Sowińska, Ombudsfrau für Kinder und Abgeordnete der Liga Polnischer Familien, die Absetzung der BBC-Kleinkinderserie "Teletubbies", weil Tinky-Winky schwul sei (queer.de berichtete). (mize)
















