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- 14. Februar 2009 2 Min.

Nur auf dem ersten Blick ein Urlaubsparadies: In Jamaika müssen Schwule um ihr Leben fürchten
Das Auswärtige Amt hat am 13. Februar zum wiederholten Male für Jamaika folgenden Reise- und Sicherheitshinweis herausgegeben: "Ein großer Teil der Bevölkerung ist Gleichgeschlechtlichen gegenüber feindlich eingestellt. Es hat in jüngster Zeit mehrfach Übergriffe gegen Homosexuelle gegeben."
Zudem heißt es in der Reise-Warnung des Steinmeier-Ministeriums: "Geschlechtsverkehr unter gleichgeschlechtlichen Partnern ist in Jamaika strafbar. Die tatsächliche Strafverfolgung ist sehr uneinheitlich." Nach dem Gesetzbuch kann Homosexualität mit bis zu zehn Jahren Haft mit Zwangsarbeit bestraft werden.
Das renommierte "Time Magazine" nannte Jamaika bereits 2007 "das homophobste Land der westlichen Hemisphäre". Schwule müssen dort tatsächlich um ihr Leben fürchten: In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Lynchmorden. So wurde 2005 Steve Harvey, der bekannteste Gay-Aktivist des Landes, von mehreren Männern aus seinem Haus entführt, erschossen und in einen Graben geworfen. Die UN kritisierte daraufhin das Land, da die Homophobie auch die Ausbreitung von Aids begünstige.
Trotzdem gibt es seitdem immer wieder neue Berichte über schwulenfeindliche Gräueltaten. Die Polizei drückt dabei bei den Tätern meist beide Augen zu – oder beteiligt sich sogar daran. Dennoch hat das Land besonders in der Jugendkultur ein harmloses Image. "Wie gefährlich können schon bekiffte Rastamänner sein?", so der allgemeine Tenor. Im Gegensatz zu den Legenden herrscht im relativ armen Jamaika aber eine Wut auf die "dekadenten" Gesellschaften des Westens, die zudem noch von einer kruden christlichen Auslegung von Religion befeuert wird. Resultat ist eine Macho-Kultur, die ihresgleichen sucht. Laut einer repräsentativen Umfrage der Zeitung "Jamaican Gleaner" sprechen sich mehr als zwei Drittel der Jamaikaner dagegen aus, dass Schwule und Lesben jegliche Bürgerrechte zugesprochen werden.
Mehrfach haben amerikanische Blogger und Homo-Aktivisten bereits einen Reiseboykott der Karibikinsel gefordert, die jedoch außerhalb der Szene kaum wahrgenommen wurden. Dabei könnten Einschnitte im Tourismus das Homohasser-Land hart treffen. So besuchen jährlich mehr als drei Millionen Menschen Jamaika, eine Million davon aus den USA. Die Einnahmen aus den Besuchern belaufen sich auf 2,1 Milliarden Dollar.
In Deutschland ruft die schwul-lesbische Werbeagentur Communigayte zum Reise-Boykott auf. Deren Inhaber Michael Drescher und Jeff Wahl haben die homofeindliche Stimmung im Dezember 2006 am eigenen Leib zu spüren bekommen: Sie landeten bei einer Kreuzfahrt auch in Ocho Rios, einem beliebten Reiseziel auf Jamaika. Drescher und Wahl erzählen, dass sie dort von Einheimischen bedrängt worden seien. Nachdem sie keine Drogen oder Prostituierte kaufen wollten, wurden sie sogleich als "fucking faggots" beschimpft. Als sich die Atmosphäre aufheizte, flohen sie zurück auf das Schiff. "Egal ob Tourist oder Einheimischer: Jamaika ist lebensgefährlich für Schwule", resümiert Michael Drescher. (cw)
Links zum Thema:
» Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes zu Jamaika
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