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  • 18. Februar 2009 78 3 Min.

Jetzt im Kino: Gus Van Sant oscarnominiertes Biografie-Drama "Milk" ist eine packende, massentaugliche Geschichte mit hervorragenden Schauspielern - obwohl der Saunafreund und Männerheld Harvey darin zum monogamen Träumer mutiert.

Von Dennis Klein

Für die amerikanische Homo-Bewegung ist Harvey Milk so etwas wie ein Heiliger: Mit Anfang 40 zog er in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts von New York nach San Francisco, um seinem Leben mehr Sinn zu geben. Aus dem ungeouteten Wall-Street-Angestellten wurde ein selbständiger Fotoladen-Besitzer und politischer Aktivist in der aufstrebenden Castro Street. Schnell wurde der charismatische Milk zu einer Art inoffiziellem Sprecher der Schwulen und schaffte nach mehrmaligem Anlauf 1978 – dank einer Wahlrechtsreform – den Sprung in den Stadtrat. Das hatte noch nie ein offen homosexueller Mann zuvor geschafft. Nach nur elf Monaten im Amt wurde Milk erschossen.

Drei Jahrzehnte nach seiner Ermordung zeichnet "Milk" die letzten Jahre im Leben des Politaktivisten nach. Der Film hat ähnlich wie "Brokeback Mountain" einen Hype ausgelöst und wurde insgesamt acht Mal für den Oscar nominiert. Und das zu Recht: Insbesondere Hauptdarsteller Sean Penn spielt den extrovertierten Harvey Milk so überzeugend, dass man als Zuschauer glatt vergisst, dass hier der selbe Schauspieler wie bei "Dead Man Walking" oder "I am Sam" am Werke ist. Aber auch der Rest des Ensembles überzeugt. Milks Werdegang vom Hippie-Aktivisten zum professionellen Politiker, der Massen in Wallung bringt, zeigt der Film mit leichter Hand. Zudem lässt die wunderbar authentische Kulisse und die amüsanten Haarschnitte die Herzen von Retro-Fans höher schlagen.

Youtube | Trailer für 'Milk' (auf Deutsch)

Natürlich geht es in dem Zweistünder nicht nur ums 70er-Flair: Ein Hauptaugenmerk richtet sich auf Proposition 6, das erste homofeindliche Referendum in Kalifornien. Hier mussten die Wähler entscheiden, ob schwule Lehrer aus dem Schulen entfernt werden sollten – sozusagen ein Homo-Radikalenerlass. Milk setzte sich für eine Ablehnung des Referendums ein, indem er der Bevölkerung klar machen wollte, dass Schwule auch nur ganz normale Menschen sind – und keine Kinderficker. Das Thema von homophoben Volksentscheiden treibt die amerikanischen Demokratie dabei auch heute noch um: Im selben Monat, in denen Milk in die US-Kinos kam, nahmen die kalifornischen Wähler mit "Proposition 8" ein Referendum an, dass Schwulen und Lesben die Ehe verbietet (queer.de berichtete). Für den aktuellen Bezug war bei "Milk" also gesorgt.

In dem Film war von der Schwulen-Ehe natürlich noch keine Rede. Das war in dieser Vor-Aids-Zeit noch kein Thema. Und genau an diesem Punkt interpretiert Regisseur Gus van Sant den echten Harvey Milk etwas um. Dieser hatte nämlich gesagt: "Wir sollten unseren eigenen Lebensstil entwickeln. Es gibt keinen Grund, warum jemand zur selben Zeit nicht mehr als eine Person lieben kann." Der Film-Milk scheint sich aber eher – ganz dem gegenwärtigen Ehe-Trend folgend – nach der einen großen monogamen Liebe zu sehnen. Dass der echte Milk selbst gerne mal Saunen besuchte und keinem Abenteuer aus dem Weg ging, ist dagegen kein Thema. Auch wer explizite Sex-Szenen mit Sean Penn erwartet, wird enttäuscht: Obwohl "Milk" wegen des häufigen Gebrauchs von F-Worten von den US-Zensoren ohnehin erst ab 17 Jahren freigegeben wurde, wird die schwule Lust hier höchstens angedeutet.

Trotz dieser konventionellen Gewichtung ist "Milk" ein sehr unterhaltsamer Film, in dem der Zuschauer nebenbei noch viel über das Leben von Schwulen in den 1970er Jahren und auch das amerikanische politische System lernt. Er basiert dabei insbesondere auf der Dokumentation "The Times of Harvey Milk", die in Interviews das Leben des ersten schwulen Helden nachzeichnete. Dieses Werk hat 1985 den Oscar als beste Dokumentation gewonnen. Ob der neue Film auch eine goldene Statue ergattern kann, wissen wir am Montagmorgen, wenn die Academy Awards vergeben werden. Insbesondere Sean Penn hätte diese Auszeichnung verdient.

Youtube | Die Harvey-Milk-Dokumentation aus dem Jahre 1984

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Galerie:
MILK - Szenenfotos
14 Bilder
-w-

#1 bOrIsAnonym
  • 18.02.2009, 23:59h

  • H A M M E R Film!!!!

    Sean Penn spielt unglaublich und bekommt hoffentlich einen Oscar !

    unbedingt anschauen!
    Wir alle haben Harvey Milk viel zu verdanken !
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#2 SamuelAnonym
  • 19.02.2009, 10:32h
  • Oh mein Gott, keine Sex-Szenen mit Sean Penn? Das ist ja schrecklich! Dafür leben wir Schwulen doch! Unsere Identität baut auf Sex, unser Leben ist Sex, unsere Gehirne sind gepolt auf Sex.

    "Es gibt keinen Grund, warum jemand zur selben Zeit nicht mehr als eine Person lieben kann."

    Wer so etwas sagt, war noch niemals wirklich verliebt.
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#3 SaschaEhemaliges Profil
  • 19.02.2009, 10:50h
  • Antwort auf #2 von Samuel
  • Und du schreibst hier seit geraumer Zeit einen großen Scheiß!

    Wenn man sich unsere Gesellschaft mit ihrer zwanghaften HETEROsexuellen Selbstdarstellung und aggressiven HETERO-Zwangssexualisierung ansieht, dann könnte man allenfalls den Eindruck bekommen, dass die "Identität" der Heteros "auf Sex baut, ihre Gehirne auf Sex gepolt sind". Tja, Schande, Schande: Der Mensch scheint nun einmal aller verlogenen Moral zum Trotz ein hochgradig sexuelles Wesen zu sein - und der Kapitalismus weiß das für seine Zwecke zu nutzen!

    Eben deshalb stellt sich die Frage, warum in der Darstellung von HOMOsexuellen deren Sexualität immer ausgeblendet, warum insbesondere schwule Partnerschaft und schwuler Sex, Zärtlichkeit und Erotik zwischen Männern nicht in derselben, offenen Weise dargestellt wird, wie das bei Heteros ganz selsbtverständlich der Fall ist.

    Das ist eine dringend notwendige Frage und eine mehr als berechtigte Kritik! Die Gesellschaft "liebt" Schwule, solange sie ihre Sexualität (und alles, was dazu gehört) ausschließlich im stillen Kämmerlein ausleben. Sowas nennt man im allerbesten Falle Pseudo-Toleranz und Pseudo-Liberalität, und dagegen müssen wir angehen, wenn wir jemals eine wirkliche Gleichberechtigung aller sexuellen Identitäten erreichen wollen!
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